Tag: Racism and Roma

Stellungnahme zur Räumung des besetzten Mahnmals für die ermordeten Sinti und Roma

Mahnmal für ermordeten Sinti und RomaWir erklären uns mit den Roma -Aktivist*innen, die das Mahnmal für die ermordeten Sinti und Roma besetzt haben, solidarisch. Wir unterstützen ihre Forderung nach einem dauerhaften Bleiberecht.

Deutschland ist gegenüber den Roma-Überlebenden und Nachkommen seiner historischen Verantwortung nicht gerecht geworden. Nahezu alle europäischen Roma haben Familienmitglieder im Holocaust verloren, so übrigens auch die Besetzer*innen des Mahnmals. 90 Prozent der europäischen Roma wurden ermordet. Und heute werden sie vom Ort des Gedenkens an ihre Toten vertrieben, und zwar von deutscher Polizei. Die Sensibilität für die historische Bedeutung des Ortes hätte hier unbedingt ein anderes Vorgehen erfordert. Wir werden die Bilder nicht vergessen von Roma-Frauen und –Kindern, die von deutscher Polizei in Kampfmontur weggetragen werden, die Angst haben, dass der deutsche Staat sie gen Osten deportiert.

Deutschland hat inzwischen alle Westbalkanstaaten als sichere Herkunftsländer eingestuft, sodass Roma von dort keine Chance mehr auf Asyl haben. Gleichzeitig wird die Abschiebepraxis verschärft. Anders als andere europäische Länder macht Deutschland keinen Gebrauch von der Möglichkeit, die Lebensrealität von Roma in diesen Ländern als kumulative Verfolgung einzustufen. Oder den Begriff der politischen Verfolgung auch auf nichtstaatliche Akteure auszudehnen. Stattdessen werden inzwischen Schwerkranke abgeschoben ebenso wie Menschen, die über Jahrzehnte hier gelebt haben, hier geboren sind. Es werden Menschen aus dem Schulunterricht heraus abgeschoben und in ein Land gebracht, in dem sie noch nie gewesen sind und in dem es für sie keinerlei Hoffnung, keine Perspektive gibt. Familien werden auseinandergerissen. Dies alles ist dem politischen Willen geschuldet, mit Sachzwängen sind diese Entscheidungen nicht zu begründen.

Die Besetzer*innen des Mahnmals sind seit Monaten illegalisiert, ihnen droht die Abschiebung, viele leben in permanenter Angst, nachdem sie über Jahre hinweg von einer Duldung zur nächsten hangeln mussten. Das geht an die Grenzen dessen, was ein Mensch ertragen kann. Außerdem sind sie wohnungslos. Sie sagen, wir Roma werden seit 700 Jahren hin und hergeschoben, niemand will uns. Sie haben geglaubt, wenn es einen Ort gibt in diesem Deutschland, das sie nicht haben will, einen Ort, der ihrer ist und an dem sie sein dürfen, dann ist es das Mahnmal, an dem der Ermordung ihrer Verwandten gedacht wird. Das ist der Ort der europäischen Sinti und Roma.

Deutschland hat sie eines Schlechteren belehrt. Noch vor nicht einmal zwei Monaten hat Bundespräsident Joachim Gauck das Mahnmal besucht, anlässlich des Internationalen Tags der Sinti und Roma, und von der historischen Verantwortung Deutschlands gegenüber den Sinti und Roma gesprochen, ebenso wie alle anderen Politiker*innen an diesem Tag. Wo waren sie gestern? Wo sind sie, wenn es darum geht, die aus der historischen Verantwortung entstehende Solidarität mit den europäischen Roma praktisch werden zu lassen?

Wir fordern die Einstellung aller laufenden Strafverfahren wegen der Besetzung. Es entbehrt jeder Verhältnismäßigkeit und sozialen Verantwortung, dass illegalisierte und wohnungslose Menschen sich nun auch noch mit Strafanzeigen konfrontiert sehen.

Außerdem fordern wir die Kontingentlösung für Roma-Flüchtlinge, in Anerkennung der historischen Verantwortung Deutschlands den europäischen Roma gegenüber, analog zur Kontingentlösung für Juden aus der ehemaligen Sowjetunion. Seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion hat Deutschland fast eine Viertelmillion Juden aus deren Nachfolgestaaten aufgenommen. Obwohl sie Kontingentflüchtlinge genannt werden, gibt es für ihre Anzahl keine Obergrenze. Auch müssen sie kein Asylverfahren durchlaufen. Begründet wurde diese Entscheidung mit der historischen Verantwortung Deutschlands gegenüber den Juden. Wir begrüßen diese Entscheidung ausdrücklich. Eine solch verantwortungsvolle Politik wünschen wir uns auch den europäischen Roma gegenüber.

Wir fordern ein Bleiberecht für alle europäischen Roma, unbefristet. In vielen Fällen geht es hier noch nicht einmal um einen Zuzug, sondern zunächst darum, die menschenverachtende Abschiebepraxis einzustellen. Hier geht es nicht um Flüchtlingszahlen oder Paragrafen, hier geht es um Würde. Darum, Menschen, die hier schon viel zu lange drangsaliert werden, ein Leben in Würde, Hoffnung und eine Perspektive zu geben. Denn nicht die Würde des Deutschen, sondern die Würde des Menschen ist unantastbar.

Unterzeichner:

Amaro Foro e.V.

Amaro Drom e.V.

Terno Drom e.V.

Romabüro Freiburg e.V.

Ternengo Drom e Rromengo e.V.

Rroma Informations Centrum e.V.

Ini Rromnja

Roma-Jugend Initiative Northeim

TKO e.V.

Carmen e.V.

Queer Roma

Marian Luka

Prof. Dr. Hristo Kuychuchov

Roma Zentrum für interkulturellen Dialog e.V.

Jugendtheater „So Keres?“

Rroma Aether Klub Theater

Radmila bleibt – alle bleiben!

Erklärung von Radmila zu ihrer Ablehnung als Härtefall durch die thüringer Härtefallkommission am 13.01.2016

Warum hat die Härtefallkommission meine Situation nicht in Betracht gezogen? Ich habe nicht erwartet, dass sie auf diese Weise entscheiden und ich werde weiter für mein Recht kämpfen.
Ich habe das Recht Aufenthalt zu bekommen, weil ich alleinstehend bin; weder in Serbien, noch in Deutschland habe ich Familie. Frauen in dieser Situation muss Aufenthalt gewährt werden. Ich sehe darin die Diskriminierung alleinstehender Frauen! Sie müssen aber von Deutschland geschützt werden, sie müssen aufgenommen und Aufenthalt muss gegeben werden.

Deutschland soll mir schriftlich geben, dass mein Leben in Serbien nicht gefährdet ist!

[serbisch: Deklaracija Radmile Anić o svojoj pretnji u Srbiji. ]
[russisch: Заявление Радмилы Аник об угрозе еë жизни в Сербии.]
[deutsch: Erklärung von Radmila Anić zu ihrer Bedrohung in Serbien]
[englisch: Radmila Anić’s declaration concerning her menace in Serbia]

credit: breakdeportation.blogsport.de

Radmila Anic – MDR Beitrag vom 11. Juni 2015 from Rrom_nja on Vimeo.

First they came for the Roma: is history repeating itself for the forgotten victims of the Holocaust?

The struggle against deportation as well as discrimination and racial prejudice towards the  Roma must continue!!!!!. There is no ‘safe country’ for the Roma.  Read on…

Eviction of Roma Families in France

Eviction of Roma Families in France

By Sophie McAdam
‘Laws were passed prohibiting marriage between Roma and non-Roma, and so began a horrific campaign of hatred against them which continues to this day. For 500 years Roma were sold into slavery, and in various countries Roma women were often forcibly sterilized (in the Czech republic this happened as recently as the 1970s). Millions of Roma were deported, their language and culture was criminalised, and they were hanged or otherwise executed in countries all over Europe’.

For further details please click here

(Source: The Activist: Exposing the Truth one at a Time)