Gegen Gewalt gegen Frauen

Das Recht auf ein Leben frei von Gewalt ist ein Menschenrecht. Doch häufig werden Frauen* Opfer von Gewalt aufgrund ihres Geschlechts. Gewalt ist daher ein Ausdruck eines Machtungleichgewichtes zwischen den Geschlechtern.

Gewalt gegen Frauen ist eine extreme Menschenrechtsverletzung, die Frauen* überall auf der Welt betrifft. Mehr als jede dritte Frau weltweit hat in ihrem Leben bereits sexuelle, physische oder psychische Gewalt innerhalb oder außerhalb von Partnerschaften erlebt. Am meisten tritt Gewalt innerhalb von Beziehungen auf.

Gewalt beginnt dort, wo sie Frauen* in ihrer persönlichen Freiheit einschränkt oder als Frauen* diskriminiert. Somit kann bereits eine „blöde Anmache“ oder ein frauenfeindlicher Spruch bzw. das Vermeiden, bestimmte Orte aufzusuchen und Situationen zu begegnen, als Gewalt bezeichnet werden. Gewalt gibt es auch in den Medien normal“ wahrnehmen.

Gewalt kann alle Frauen* betreffen, unabhängig von Alter, Bildungshintergrund, körperlicher Gesundheit oder sexueller Orientierung. Gewalt kann verletzen, einschränken, verunsichern und psychische Narben sowie gesundheitliche und finanzielle Folgen auslösen.

Formen von Gewalt

Gewalt gegen Frauen* kann in verschiedenen Formen auftreten. Häufig wird unterschieden zwischen:

  • physische Gewalt körperliche Gewalt umfasst z.B. schubsen, schlagen, ohrfeigen, schütteln, werfen, mit der Faust schlagen, treten, beißen, verbrennen, würgen, vergiften oder einsperren
  • sexualisierte Gewalt bedeutet, dass Sexualität als Machtmittel gewaltsam eingesetzt wird. Dies kann z.B. in Form von obszönen Witzen und Kommentaren, unerwünschte Berührungen, Bedrängen bis hin zu sexueller Belästigung, Nötigung und Vergewaltigung in der Öffentlichkeit, am Arbeitsplatz, in der Schule und Ausbildung oder im Internet auftreten.Es geht den Tätern dabei häufig um Abwertung, Demütigung und Erniedrigung von Frauen*.
  • psychische Gewalt beschreibt emotionale Verletzungen durch verbale Erniedrigung, Beleidigung, Bedrohung, Erpressung, Mobbing, kontrollierendes Verhalten, Dominanzverhalten oder Isolierung.

Daneben zählen auch verbale oder ökonomische Gewalt dazu. Oft sind diese Formen eng miteinander verknüpft und treten in verschiedenen Situationen bzw. Kontexten auf, wie z.B. als:

  • Häusliche Gewalt gehört für viele Frauen* und Kinder zum Alltag. Sie umfasst physische, sexualisierte, psychische/ emotionale, soziale und ökonomische Gewalt innerhalb von Beziehungen, also bspw. durch den Ehemann oder ehemaligen Ehepartner, aber auch durch Verwandte.
  • Genitalverstümmelung umfasst die teilweise oder komplette Entfernung oder sonstige Verstümmelung der großen und/oder kleinen Schamlippen und/oder der Klitoris der Frau*. Es bezeichnet ein Verhalten, durch das eine Frau* dazu genötigt oder gebracht wird, sich dieser Handlung zu unterziehen.
  • Menschenhandel ist eine komplexe Problematik, die sich im nationalen, europäischen und vor allem internationalen Kontext abspielt. Menschen können Opfer von Menschenhandel werden, wenn sie durch Gewaltanwendung, Täuschung oder Drohung angeworben und zur Ausführung von ausbeuterischen Dienstleistungen und Tätigkeiten gebracht werden. Im Kontext von Flucht und Migration wird die häufig unsichere rechtliche und soziale Position als Druckmittel ausgenutzt. Frauen* sind besonders von sexueller Ausbeutung und Prostitution betroffen.
  • Stalking beschreibt das vorsätzliche und beharrliche Belästigen (z.B. durch nachlaufen, präsent sein, beobachten, Telefonanrufe, E-Mails, Drohungen) einer anderen Person, so dass diese in ihrer Lebensführung stark beeinträchtigt wird.

und in der Werbung. Leider ist dies für viele Frauen* so alltäglich, dass sie die Gewalt oftmals als „Zwangsheirat bedeutet, dass mind. eine Person zur Ehe gezwungen wurde (z.B. durch Drohungen oder körperliche Gewalt)

  • Digitale Gewalt wird z.B. im Internet ausgeübt und hat zum Ziel, andere Personen gezielt zu beleidigen, zu beschimpfen, bloßzustellen, zu erpressen oder zu bedrohen.

Gewalt kann von Einzelpersonen, Behörden und Institutionen wie z.B. Schulen oder Krankenhäusern ausgeübt werden. Gewalt zeigt sich auch auf struktureller Ebene, z.B. durch Gesetze, Ausgrenzung auf dem Arbeits- und Wohnungsmarkt, in der Gesundheitsversorgung oder durch Gewaltausübung von Polizeibeamt*innen.

Darüber hinaus tritt Gewalt auch als rassistische Gewalt, als Ableism (Diskriminierung aufgrund von Behinderungen und Beeinträchtigungen), als Klassismus (Diskriminierung aufgrund des sozialen Status) und Homophobie, Trans- und Inter-Diskriminierung auf. Viele Frauen sind von Mehrfachdiskriminierung betroffen. So sagt Elizabeth Ngari von Women in Exile immer wieder, dass geflüchtete Frauen „doppelt Opfer von Diskriminierung sind: Sie werden als Asylbewerberinnen* durch rassistische Gesetze ausgegrenzt und als Frauen diskriminiert.“

Nein heißt Nein!

Viele Frauen- und Menschenrechtsorganisationen engagieren sich seit vielen Jahren für die Selbstbestimmung von Frauen* und kämpfen gegen Gewalt.Darunter sind es z.B. Initiativen wie Women in Exile (http://women-in-exile.net/) und International Women’s Space (https://iwspace.wordpress.com/), die sich für die Rechte geflüchteter Frauen einsetzen und wichtige Empowermentarbeit leisten.

Der Schutz der sexuellen Selbstbestimmung konnte im letzten Jahr auch endlich in Deutschland auf rechtlicher Ebene, durch Einführung des neuen Sexualstrafrechts am 10. November 2016, verbessert werden.Demnach ist ein sexueller Übergriff strafbar, wenn er gegen den erkennbaren Willen einer Person ausgeführt wird. Dazu reicht es aus, wenn eine Frau* „Nein“ zu einer sexuellen Handlung sagt. Vorher wurde die Straftat rechtlich nur anerkannt, wenn sich eine Frau* körperlich gewehrt hat. Mit dem neuen Gesetz ist auch sexuelle Belästigung als neuer Straftatbestand eingeführt worden; zukünftig ist also z.B. auch das so genannte „Grapschen“ strafbar. Darüber hinaus können auch Übergriffe gegen Frauen mit Behinderungen härter bestraft werden.

Gewalt ist kein individuelles, sondern ein gesamtgesellschaftliches Problem. Gewalt gegen Frauen ist Ausdruck des strukturellen Machtverhältnisses zwischen Männern und Frauen und muss von allen gemeinsam bekämpft werden. Jennifer Kamau von International Women‘s Space Berlin sagte letztes Jahr auf einer Fachveranstaltung: Es gibt zwei Formen von Gewalt: diejenige, die von Personen oder Strukturen ausgehend Menschen direkt betrifft und diejenige, die entsteht, wenn die Öffentlichkeit dabei wegschaut und schweigt. Letztere sei die schlimmere, weil sie bestimmte Formen von Gewalt – vor allem (strukturelle) rassistische Gewalt – akzeptiert und damit verfestigt.

Gewalt gegen Frauen geht uns alle an!Nein heißt Nein. Und nur wenn wir hinschauen und Stellung beziehen, können wir etwas verändern.

Beratungsstellen und andere Hilfen in Berlin

Wichtig ist, dass Betroffene von Gewalt ihre Rechte wahrnehmen können, Unterstützung bekommen und in ihren Anliegen gehört und ernst genommen werden. Für viele Frauen ist es jedoch schwer, über ihre Gewalterfahrungen zu sprechen, sich anderen anzuvertrauen und Hilfe einzufordern.

Es gibt eine Reihe von Beratungsstellen und Hilfetelefone für Frauen*, die von Gewalt betroffen sind. Außerdem gibt es sichere Unterkünfte und Schutzhäuser. Wir hoffen, dass die nachfolgenden Hinweise hilfreich sind.

Hilfetefone

Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“

Telefon: 08000 116016

https://www.hilfetelefon.de/

Das Hilfetelefon des Bundesamts für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben ist rund um die Uhr anonym und via Onlineberatung unter www.hilfetelefon.de erreichbar. Dolmetscher*innen für 15 Sprachen können hinzugeschaltet werden.
BIGHotline – Berliner Initiative gegen Gewalt an Frauen e.V.

Telefon: 030 – 611 03 00 (täglich 8-23 Uhr)

http://www.big-hotline.de/

 

BIG e.V. setzt sich seit über 20 Jahren gegen häusliche Gewalt ein. Die Hotline ist ein Unterstützungsangebot für alle Frauen und deren Kinder, die in ihrer Beziehung Gewalt erleben, nach ihrer Trennung immer noch von ihrem Ex-Partner bedroht und belästigt werden oder Übergriffen ausgesetzt sind. Weitere Informationen in mehreren Sprachen gibt es unter http://www.big-berlin.info/medien/ihr-recht-bei-haeuslicher-gewalt

Beratungsstellen und Unterstützung in Berlin (Auswahl):

Familienplanungszentrum Berlin e.V.
Mauritiuskirchstraße 3
10365 Berlin – Lichtenberg/FriedrichshainTelefon: 030 / 236 236 80http://www.fpz-berlin.de
Das Familienplanungszentrum BALANCE e.V. bietet v.a. gesundheitliche Beratung, aber auch zur weiblichen Genitalverstümmelung und zu Möglichkeiten der Therapie von durch eine Beschneidung verursachte Beschwerden.
Flamingo e.V. – Netzwerk für geflüchtete Frauen* und Kinder

https://www.flamingo-berlin.org/beratung/

 

Flamingo e.V. unterstützt geflüchtete Frauen* – alleinstehend, schwanger und/oder mit Kindern – und unbegleiteter minderjähriger Geflüchteter, unabhängig von ihrer Herkunft und ihrem Aufenthaltsstatus.
FRIEDA – Frauenzentrum e.V.

Proskauer Straße 7
10247 Berlin (Friedrichshain)

Telefon: 030 4224276

http://www.frieda-frauenzentrum.de/startseite/

Das FRIEDA Frauenzentrum bietet Stalking-Beratung, psychosoziale, psychologische und systemische Beratung für Frauen an. Die Stalking-Beratung wendet sich an alle Mädchen und Frauen, die gegen ihren Willen von einer anderen Person belästigt, verfolgt oder beobachtet werden.
KOP – Kampagne für Opfer rassistischer Polizeigewalt

https://www.kop-berlin.de/beratung

Die KOP bietet Beratung für Opfer rassistisch motivierter Polizeigewalt.
LARA – Fachstelle gegen sexualisierte Gewalt an Frauen*
Fuggerstraße 19
10777 Berlin (Schöneberg)Telefon: 030 2168888http://www.lara-berlin.de/
LARA bietet unbürokratische Hilfen für Frauen* nach dem 14. Lebensjahr, die eine Vergewaltigung, sexuelle An- und Übergriffe und sexuelle Belästigung erfahren haben. Das Angebot ist kostenlos und mehrsprachig und umfasst auch psychosoziale Beratung, Begleitung zu Behörden, Gruppenangebote, Rechtsberatung, etc.
LesMigraS

Kulmer Str. 20a

10783 Berlin

Telefon: 030 – 21 91 50 90

http://lesmigras.de/Refugees.html

LesMigraS-der Antidiskriminierungs- und Antigewaltbereich der Lesbenberatung Berlin e.V. bietet Gruppen und Beratung für Lesben, Schwule, Bisexuelle, Trans und Inter (LSBTIQ) Refugees. Hast du einen Übergriff auf der Straße erlebt? Wurdest du beleidigt oder bedroht? Erlebst du Mobbing oder Stalking? Wurdest du diskriminiert? Oder sexualisiert belästigt? LesMigraSunterstützt kostenlos, vertraulich und parteilich.
Reachout

Beusselstr. 35
10553 Berlin

Telefon: 030 / 69 56 83 39

https://www.reachoutberlin.de/

ReachOut ist eine Beratungsstelle für Opfer rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt in Berlin.

S.U.S.I. Interkulturelles Frauenzentrum

Innsbrucker Straße 58
10825 Berlin

Telefon: 030 78959394
http://www.susi-frauen-zentrum.com/

S.U.S.I. bietet Beratung bei psychischer Gewalt, sexualisierter Gewalt/Vergewaltigung, sexuellem Missbrauch in der Kindheit, Traumabewältigung, häuslicher Gewalt, etc.an.

Wildwasser Berlin – FrauenNachtCafé

Mareschstraße 14
12055 Berlin

Telefon: 030 61620970

http://www.wildwasser-berlin.de/frauenselbsthilfe-und-beratung.htm

http://www.wildwasser-berlin.de/frauennachtcafe.htm

Wildwasser ist eine Arbeitsgemeinschaft gegen sexuellen Missbrauch an Mädchen. Wildwasser bietet Beratung für Frauen und Mädchen. Das FrauenNachtCafé ist offen für alle Frauen*, die sich in einer Krisen- oder Konfliktsituation befinden. Es bietet sich die Möglichkeit zum Austausch, selbstbestimmter Unterstützung und Beratung. Das gesamte Angebot ist kostenlos, nicht psychiatrisch, kann anonym und ohne Voranmeldung genutzt werden.

XENION Psychosoziale Hilfen für politisch Verfolgte e.V.

Paulsenstr. 55-56
12163 Berlin-Steglitz
Telefon: 030 3232933
http://www.xenion.org/

XENION ist ein psychotherapeutisches Beratungs- und Behandlungszentrum für traumatisierte Geflüchtete und Überlebende von Folter und anderen schweren Menschenrechtsverletzungen.

 

Webseiten mit Übersichten zu Beratungsstellen und Informationen:

 

bff – Bundesverband Frauenberatungsstellen und Frauennotrufe – Frauen gegen Gewalt e.V.

Beratungsstellen bundesweit:

https://www.frauen-gegen-gewalt.de/organisationen.html

Der bff ist der Bundesverband der Frauenberatungsstellen und Frauennotrufe in Deutschland. Im bff sind mehr als 170 Frauennotrufe und Frauenberatungsstellen zusammengeschlossen.
Frauenhauskoordinierung e.V.

Frauenhäuser bundesweit:

http://www.frauenhauskoordinierung.de/frauenhaussuche.html

Beratungsstellen bundesweit:

http://www.frauenhauskoordinierung.de/beratungsstellensuche.html

Der Verein Frauenhauskoordinierung e.V.setzt sich ein für den Abbau von Gewalt an Frauen und für die Verbesserung der Hilfen für misshandelte Frauen und deren Kinder. Er fördert die bundesweite Kooperation und Vernetzung der Frauenhäuser sowie der Hilfe- und Unterstützungsangebote.
Frauen raus aus der Gewalt

http://frauen-raus-aus-der-gewalt.de/#services

Die Webseite gibt eine Übersicht über die wichtigsten Beratungsstellen und Notrufe für Frauen in Deutschland.

KOK – Bundesweiter Koordinierungskreis gegen Menschenhandel e.V.

http://kok-gegen-menschenhandel.de/

http://www.kok-gegen-menschenhandel.de/mitgliedsorganisationen-fachberatungsstellen/

Der KOK e.V. ist ein Zusammenschluss von Fachberatungsstellen für Betroffene von Menschenhandel, Frauenorganisationen sowie weiteren Organisationen, die zu den Themen Menschenhandel, Ausbeutung und Gewalt an Migrantinnen arbeiten. Auf der Webseite findet sich eine Übersicht über Fachberatungsstellen.
Queer refugees

http://www.queer-refugees.de/

http://www.queer-refugees.de/?page_id=389

Der Lesben- und Schwulen-Verband Deutschland bietet mehrsprachige Informationen fürqueereGeflüchtete und gibt eine bundesweite Übersicht über Anlauf-/Beratungsstellen.

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