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News

Press Conference of the Activists from Gürtelstraße

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More Pictures: www.photographers-in-solidarity.de

Video: http://www.livestream.com/undergroundreports/video?clipId=pla_bbf1e99b-52d3-4e60-b96f-3533437e6abb

 

Auf der gestrigen Pressekonferenz haben die Refugees ihre Vorwürfe gegen die Polizei untermauert. Circa zwei Stunden lang berichteten sie von den vergangenen 13 Tagen auf dem Hostel-Dach in der Gürtelstraße. Anwesend waren mehrere Journalist*innen und Unterstützende, die den Berichten zuhörten und anschließend einige Fragen stellten. Von den Refugees berichteten Mohammed Danko, Ibrahim und Saidu auf französisch und englisch. Beides wurde von zwei anwesenden Dolmetscher*innen ins Deutsche übersetzt.

 

Verweigerte Nahrung und entwürdigendes Verhalten der Polizei

Die Refugees erzählten, nachdem die Polizei am zweiten Tag der Besetzung Strom und Wasser abgestellt hatte, ließ sie keinerlei Essenslieferungen mehr zu. Mohammed meinte, dass ein Beamter auf seine Nachfrage hin erklärte, dass sie den Befehl dazu hätten, kein Essen zu ihnen durchzulassen. Einer der Refugees bekam erst nach mehreren Tagen seine dringend benötigten Medikamente. Später sei ihm zwar Brot zu seinen Tabletten dazu gegeben worden, allerdings gab er die Menge im unteren Grammbereich an. Dazu sei ihm dann das ohnehin geringe Wasser gänzlich verweigert worden. Sie machten mehrfach deutlich, dass sie sich nicht, wie es einzelne Medien getitelt hatten, im Hungerstreik befanden, sondern die Polizei ihnen das Essen verweigerte.

Bereits gestern hatte ein Refugee erzählt, dass Essen, das von Pfarrern für die Refugees abgegeben wurde, vor deren Augen von Polizist*innen gegessen worden sein soll. Diesen Vorwurf wiederholten die Refugees erneut. “Vielleicht können sich die Menschen das hier nicht vorstellen, aber meine Brüder können es bezeugen, wie die Polizei das Essen und die Zigaretten für uns vor unseren Augen gegessen und geraucht hat.”, sagte einer von ihnen.

Verweigerte ärztliche Untersuchungen

Weiter sagten die Refugees, dass es keine ärztlichen Untersuchungen gegeben habe. Die von der Polizei bestellten Ärzt*innen hätten aus 10m Distanz den Zustand der Refugees eingeschätzt. “Aus dieser Entfernung ist aber keine Untersuchung möglich.”, sagte Saidu auf der Pressekonferenz. “Sie trauen sich euch anzulügen, weil wir keine Deutschen sind.”, sagte er weiter.
“Wir sind krank. Als wir vom Dach gegangen sind haben sie uns gesagt, dass wir eine Untersuchung bekommen. Das ist aber nicht passiert.”
Im Krankenhaus hätte sich kein Arzt gefunden, der*die englisch oder französisch spricht, Schmerzen wurden nicht behandelt und keine Medikamente verabreicht. Nicht einmal ein Glas Wasser bekamen die Refugees, lediglich eine Kochsalzlösung wurde über einen Tropf gegeben.

Der auf der Pressekonferenz ebenfalls anwesende und zu Wort kommende Arzt von IPPNW schätzte die Bedrohlichkeit der Situation für die Refugees ein. Er sei bei den hungerstreikenden Refugees am Brandenburger Tor gewesen. “Wenn Menschen 3 – 4 Tage komplett ohne Wasser leben, kann das sehr gefährlich werden. Man spricht immer leiser und irgendwann werden Menschen bewusstlos.”, sagte er. Für ihn stellt das Verhalten der Polizei und des Senats eine besondere Situation dar. “Die Taktik der Polizei erinnert mich an die Methoden des Aushungerns im Mittelalter. Wir können froh sein, dass es den Refugees den Umständen entsprechend noch einigermaßen gut geht.”
Er meint weiter, dass die Polizei unhaltbare Intransparenz gezeigt hätte und deutete an, dass es sich für ihn um eine Körperverletzung von Seiten der Polizei aus handeln könnte. “In jedem Gefängnis gibt es Essen und Trinken. Dieses Verhalten ist eines Rechtsstaates unwürdig.”

Kritik an Henkel und mangelnde demokratische Standards

Die Refugees kritisierten Innensenator Frank Henkel und dessen Umgang mit dem Einigungspapier vom Oranienplatz. “Es erstaunt mich, dass Henkel die Vereinbarung für ungültig erklärt hat. Der Senat hat uns zuerst bessere Unterkünfte versprochen, uns dann aber auf die Straße gesetzt. Daraufhin haben wir das Dach besetzt.”, sagte Mohammed. Er findet es auch unbegreiflich, dass das Berliner Verwaltungsgericht der Interpretation Henkels im Grunde recht gibt. Das Gericht hatte den Eilantrag eines Refugees abgelehnt, der, gestützt auf das Einigungspapier vom Oranienplatz, seine Duldung im Land Berlin zugesprochen bekommen wollte.

“Das ist eine Schande für Deutschland. Eines der reichsten Volkswirtschaften der Welt lässt uns, weil wir unser Recht einfordern, aushungern. Das ist unglaublich.”, sagte Saidu. Die Refugees sagen, dass für sie in Deutschland keine Demokratie herrsche. “Alle sagen immer, in Afrika herrschen keine demokratischen Standards. Hier herrschen sie genauso wenig!”. Saidu meint, dass sie sich sicher wären, dass die Polizei sie umbringen wollte. “Sie haben zu uns gesagt, ihr bleibt hier, bis ihr sterbt.”

“Wir wollen nur in Frieden leben”

Die Refugees machten deutlich, warum sie nach Deutschland gekommen sind und was sie sich vom Leben hier erhoffen. “Wir sind keine Kriminellen. Wir möchten ein Bleiberecht und eine Arbeitserlaubnis und keine Sozialhilfe. Wir wollen nicht provozieren, sondern nur in Frieden leben.”

Von dem deutschen Staat und der Polizei sind sie zutiefst enttäuscht. Die Polizei solle gesagt haben, dass niemand sich für sie interessiere und keine Unterstützenden mehr vor Ort wären, obwohl sie selbst die Solikundgebung aus der Sicht- und Hörweite des Daches verlegt hatte. Als bei den Refugees der Eindruck wuchs, dass der deutsche Staat sie dort oben verhungern lassen würde, entschieden sie sich dazu, das Dach zu verlassen. Auf die Frage, wie es jetzt weitergeht, haben sie keine abschließende Antwort. Für einen Monat können sie in einer Kirche in Kreuzberg wohnen. Was danach kommt ist ungewiss.

 


News

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News / Support/Solidarity

Soli Crêpes against repressioncrap!

for the 24.10: https://www.facebook.com/events/1186910981441970 for the 28.11: https://www.facebook.com/events/1492764560817537 (with english version down below) Soli Crêpes against repressioncrap! Am 05.10 (Do), 24.10 (Di) und am 28.11 (Di) gibt es ab 19:30 Vegane Crêpes in der B-Lage. Bei einer gemeinsamen Aktion werden manchmal nur einige verurteilt. Was nicht heissen muss, dass sie es alleine durchstehen müssen. Kommt… Read more »

berlin news / News / Women

Inauguration Conference | Center for Intersectional Justice

Saturday 16 September 2017, 10 AM Access: ICI Berlin Pfefferberg area Christinenstr. 18/19, Haus 8 or Schönhauser Allee 176 U-2 Senefelder Platz Tentative Program (subject to change): MORNING 10:00 > Registration and Coffee 11:00 – 11:30 > Opening Address – Emilia Roig (Founder & Executive Director) 11:30 – 12:15 > Keynote Speech – Kimberlé Williams… Read more »

Center for intersectional justice Berlin

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News / oplatz

Wegweisendes Urteil gegen den Einsatz für das Grundrecht auf Asyl – Haftstrafen für vier DemonstrationsteilnehmerInnen des March for Freedom

English Einladung zur Pressekonferenz, Montag 22.05.17, 11:00, Waldemarstr. 46 10999 Berlin   3 Jahre nach dem international organisierten March for Freedom wurden vier TeilnehmerInnen einer friedlichen Demonstration in Luxembourg-Stadt zu hohen Geld- und Bewährungsstrafen verurteilt. Der Verlauf des Prozesses und das Gerichtsurteil erscheinen bei nüchterner Betrachtung äußerst willkürlich und keinen rechtsstaatlichen Maßstäben entsprechend. Der March… Read more »

Daily Resistance Newspaper

Distribute the latest edition of Daily Resistance newspaper: Non-citizen Rise Up in Bavaria

Non-citizen Rise Up in Bavaria Dear people of the world, we have published the new issue of the newspaper “Daily Resistance”, and now it’s the time to bring the paper to the hands of people living in the lagers, by you! This issue comes “separately” in 7 languages This issue of Daily Resistance has a… Read more »

Daily Resistance Refugee Protest 2016 Bavaria
News

Information-Comic “Stop Deportation” is out now!

The stop deportation info comic is finished, translated, and ready to spread. You can find it in Arabic, English, Farsi, French, German, Romanes, Serbo-Croatian, Spanish and Turkish here: http://oplatz.net/stop-deportation The comic contains useful and important information for people under threat of deportation, but also for people supporting them. Spread it and share the link in your… Read more »

Ways to stop deportation

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Protest Gegen Abschiebung

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„Ihr beschützt uns nicht!“ Die Do-it-Yourself Praxis im Lager Niedstraße. Aus einem Interview mit einer Überlebensexpertin (*Name verändert)

English Ich treffe Nira in einem Park irgendwo im Südwesten von Berlin. Nira und ich haben beschlossen uns regelmäßig zu treffen und gemeinsam kleinere Artikel über die Situation in den Berliner Lagern zu schreiben. Dieses Mal wollen wir ihre Erfahrungen mit den Sozialarbeiter*innen in dem Niedstraßen-Lager teilen, ein Lager für Frauen und Kinder in Friedenau…. Read more »

Niederstr lager front door
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Kommt zur Protestmahnwache: Afghanistan ist kein sicheres Land

Wir nehmen unser Schicksal selbst in die Hand. تحصن اعتراضی علیه دیپورت به افغانستان را فعالانه حمایت کنید۰ ما میخواهیم خودمان سرنوشت زندگی امان را بدست بگیریم، نه اینکه قدرتمندان برایمان تعیین کنند۰ محل و روز تحصن اعتراضی۰ 21. und 22. September, 12.00-20.00 Uhr vor dem Auswärtigen Amt, Werderscher Markt 1 23. und 24. September,… Read more »

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