Fight racism / fight sexism! Pressekonferenz am 29.7. auf dem Oranienplatz

 

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Die Oranienplatz-Flüchtlingsbewegung und seine Frauen-Gruppe vom International Women Space aus der Schule antwortet auf die Gerüchte zur Vergewaltigung, die von den Medien verbreitet wurden.
Hier die Presseerklärung, die von der Bewegung veröffentlicht wurde.

Berlin, 24. Juli 2013

Vor zwei Monaten veröffentlichte eine Frau*, „Fidicin“, die eine Vergewaltigung in einer Privatwohnung erlebt hatte, ihren Bericht des Vorfalls auf indymedia. In dem Statement erwähnt sie die mangelhafte Aufarbeitung des Übergriffs innerhalb der Strukturen des Refugee Protest. Fidicin war damals Unterstützerin des Refugee Protest Camp, ebenso wie der Aggressor. Hinterher brachten Unterstützer_innen den Text in die Bewegung; er wurde in mehrere Sprachen übersetzt und dem Plenum des Protest Camp vorgetragen. Generell waren die Aktivist_innen im Camp schockiert über die Nachricht. Es wurden Diskussionen geführt, mit dem Ergebnis, dass das Protest Camp ein Statement gegen Sexismus veröffentlichen würde und um klarzustellen, dass dieser Vorfall sich weder auf dem Protest Camp am Oranienplatz noch in der Schule ereignet hat.

Die Refugee-Bewegung und der Kampf gegen sexistische Strukturen

Der erwähnte Fall von Vergewaltigung und die mangelhafte Unterstützung für die Betroffene kann als Teil des strukturellen Problems von Sexismus und sexualisierter Gewalt gegen Frauen* in der Mehrheitsgesellschaft verstanden werden.

Wir betrachten Vergewaltigung und sexuelle Angriffe als von den Betroffenen erlebt und daher auch von ihnen definiert.

Von Anfang an haben wir viel versucht, um Sexismus – und auch Homophobie – in unserer Bewegung zu entgegnen. Aufklärungs-Workshops für Männer und Empowerment-Workshops für Frauen* wurden organisiert, Filme wurden gezeigt und zahllose Frauen* und männliche Verbündete haben sexistisches Verhalten in offenen Plena und individuellen Begegnungen verurteilt. Der Frauenbereich in der besetzten Schule ist ein wichtiger Schritt zum Empowerment von Frauen* im Kampf gegen Sexismus und sexualisierte Gewalt und eine wichtige politische Teilgruppe in unserer Bewegung. Der Frauenbereich ist heute ein respektierter und unanfechtbarer Teil der besetzten Schule.

An diesem Punkt wollen wir unsere selbstorganisierte Struktur weiter erläutern um allen verständlich zu machen, wie wir als öffentliche Kampagne in einem öffentlichen Raum funktionieren.

Der Refugee Protest ist nicht personengebunden. Im Gegensatz zu geschlossenen politischen Gruppen, ist die Bewegung sehr offen. Jede_r kann heute teilnehmen und morgen wieder gehen. Dies macht es sehr schwierig, ein gemeinsames Bewusstsein für Sexismus und seine Kontinuität zu etablieren.

Die an der Bewegung beteiligten Menschen sind sehr heterogen. Sie haben sehr unterschiedliche politische Orientierungen und Gründe für ihre Teilnahme. Dies macht es viel schwieriger, sich gemeinsam auf hohe Ansprüche zu einigen; oft sind wir auf den kleinsten gemeinsamen Nenner beschränkt, auch in Bezug darauf, wie (nicht ob) wir Sexismus bekämpfen wollen. Allerdings verschließen wir nicht unsere Augen vor sexueller Belästigung. Frauen* finden Unterstützung in unserer Bewegung, weil wir aufeinander aufpassen, damit unter uns keine sexuellen Übergriffe passieren.

Aufruf zu mehr Solidarität im Kampf gegen Sexismus und Rassismus

Hinsichtlich der erwähnten strukturellen Schwierigkeiten der Bewegung in der effizienten Bekämpfung von Sexismus und sexualisierter Gewalt, würden wir gerne unsere Zusammenarbeit mit (tpocq)-feministischen und anderen kritischen politischen Gruppen verstärken.

Ein konstruktiver Ansatz gegen Sexismus in der Refugee-Bewegung vorzugehen muss ebenfalls die Macht des Rassismus bedenken. Es muss anerkannt werden, dass die Vorstellung, männliche Refugees seien sexistischer als andere Männer durchzogen ist von hegemonialen, rassistischen Denkweisen, die männliche Refugees als Vergewaltiger und Kriminelle darstellen (bspw. Mainstream-Medien (BILD)).

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