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Einheit ist eine Waffe

Ali Ahmed lebt seit 2013 in Hamburg und ist Aktivist der Gruppe „Lampedusa in Hamburg“. Aktuell ist er einer von fünf Sprecher*innen, die die Interessen der sudanesischen Aufstandsbewegung im Ausland vertreten.

Am 30. Juni 1989 riss Omar al-Bashir die Macht im Sudan durch einen Militärputsch gegen eine zivile Regierung an sich. Dabei wurde er von der Islamischen Partei ideologisch massiv unterstützt. Schon zu Beginn seiner diktatorischen Herrschaft wurden Tausende entlassen und verhaftet. Nach der Ermordung von 28 Generälen, die sein Regime kritisiert hatten, im Ramadan 1993 begann eine massive Auswanderung aus politischen und ökonomischen Gründen, die die Wirtschaft des Landes erheblich beeinträchtigte.

Gleichzeitig begann im Süd-Sudan der Widerstand gegen die neuen Regeln für das öffentliche Leben, die die Islamische Partei durchgesetzt hatte, und führte bald zur Forderung nach Unabhängigkeit und eigener Verfügung über das Öl. Da das sudanesische Öl vor allem aus dem Süden stammt, bedeutete das ökonomische Probleme für das Land. Auch in anderen Teilen des Landes kam es zu kriegerischen Auseinandersetzungen, die mit der Bildung einer großen Zahl von schwer bewaffneten Stammes-Milizen einherging. Die Wirtschaft litt unter den verschwenderischen Militärausgaben und wachsender Korruption, die Unterstützung von weltweit operierenden Terrorgruppen durch al-Bashir und seine Verstrickung in Anschläge führten zu Sanktionen, die die ökonomische und soziale Situation weiter verschlechterten.

Linke und andere sozialen Kräfte begannen sich zu organisieren und entwickelten politische Kampagnen mit Forderungen, die alle Menschen im Land vor Hunger und Armut bewahren würden. Diese haben in den vergangenen Jahrzehnten die Grundlage für die Revolution gelegt, die wir heute im Sudan bildeten erleben.

Die Bürger*innenproteste gegen die Regierung begannen im Dezember 2018 zunächst wegen der stark gestiegenen Brot-Preise, der allgemeinen Verschlechterung der Lebensbedingungen und des zunehmenden Zerfalsl staatlicher Infrastruktur. Schnell entwickelte sich daraus die Forderung nach dem Rücktritt al- Bashirs. Es begann in Städten mit starker Arbeiterschaft wie al Damazin, Port Sudan, Qadrif und Atbara vor allem in Norden und Osten des Landes ebenso wie in der Hauptstadt bis alle gemeinsam nach Khartum zogen, um einen zivilen Staat und das Ende der Militärdiktatur zu fordern. Beim Rücktritt von al-Bashir und wenig später, als der General und Übergangspräsident ibn Ouf zurücktrat, waren 4 Millionen Menschen mit der Forderung nach einer zivilen Regierung auf den Straßen.

Die Sudanese Professionals Alliance (SPA), eine Allianz aus 17 Branchengewerkschaften, übernahm in diesen Auseinandersetzungen die Führungsrolle, forderte die Demonstranten auf, keine Waffen auf das Militär zu richten und verlangte von der Regierung den friedlichen Protest zu respektieren. Am 1. Januar veröffentlichte sie gemeinsam mit 21 weiteren fortschrittlichen Organisationen die „Erklärung für Freiheit und Wandel“, die Grundlage eines breiteren Bündnisses ist. Unsere Stärke liegt in unserer Einheit und der Orientierung auf den Frieden. Das führte dazu, dass sich auch Teile des Militärs mit den demonstrierenden Massen solidarisierten und sich weigerten, auf sie zu schießen. Dennoch wurden die friedlichen Demonstrationen immer wieder angegriffen um sie aufzulösen. Tränengas, Gummigeschosse, aber auch immer wieder Schusswaffen wurden eingesetzt. Die Toten und Verwundeten trugen zur Empörung der Bevölkerung bei und ließen die Proteste nicht abreißen: im Mai erreichte die Beteiligung mit 6 Millionen – das bedeutet jede*r sechste Einwohner*in – ihren Höhepunkt. Bemerkenswert ist, dass eine deutliche Mehrheit dieser Menschen Frauen sind, ebenso wie die Sprecher_innen des Bündnisses für Freiheit und Wandel.

Am 11. April verkündeten die Militärs die Absetzung von Omar al-Bashir und den Beginn einer zweijährigen Übergangsperiode, die mit Wahlen enden soll, nach denen die Macht von der Militärjunta übergeben werden soll. Diese Ankündigung wurde von der sudanesischen Bevölkerung mit Empörung aufgenommen, weil sie einen zivilen Staat fordert. Schon seit dem 6. April hatten Millionen von Demonstrant_innen aus der gesamten Region um Khartum begonnen, den Platz vor dem Hauptquartier zu besetzten und dieses sit-in wurde bis zu seiner gewaltsamen Auflösung am Ende des Ramadan am 3. Juni aufrechterhalten. Hunderte wurden getötet; weil viele Leichen in den Nil geworfen wurden, ist es schwer, eine exakte Zahl zu nennen. Mehr als 500 Menschen wurden schwer verletzt. Die Abschaltung des Internet hat die Kommunikation zwischen den Sudanesen in- und außerhalb des Landes extrem erschwert, so dass es schwierig ist, an zuverlässige Informationen zu kommen.

Nach dem Massaker hat die Afrikanische Union die Mitgliedschaft des Sudan ausgesetzt. Saudi-Arabien, die Emirate und Ägypten unterstützen weiter den Militärrat und die westlichen Länder hüllen sich ebenso wie die meisten Medien in Schweigen.

Am 30. Juni werden Sudanesen überall im Land und weltweit auf die Straßen gehen, um deutlich zu machen, dass sie ihren Traum von einem zivilen Staat, gesellschaftlichem Frieden, sozialer Gerechtigkeit und Gleichheit für alle nicht aufgeben, sondern weiter dafür kämpfen, dass er Wirklichkeit wird.

Die “Erklärung für Freiheit und Wandel” ist auf der Seite der SPA dokumentiert:


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Sudan Revolution Interview

T: We already know you from the Oranienplatz resistance but can you introduce yourself a bit? A: Adam Bahar. I am coming from Sudan. I’m born in Sudan but I’m in Germany since 2012. Politically active in Sudan since 2002. I was in university fighting for the right of the people of Sudan and against… Read more »

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Daily Resistance Newspaper / News

Daily Resistance Monthly Editorial Meeting continues on July, 9

On July 9, 2018, the current editorial team of >Daily Resistance< will continue its new monthly meeting. It is the third in a series of social and working get-togethers that tries to bring together people who want to share their ideas about the newspaper, who want to contribute and who want to work on upcoming… Read more »

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Kundgebung & Demo zur Räumung der Ohlauer/GHS, 11.01.2018, 7:45

Räumung der GHS am 11.01.2018 – Solidarität mit den Bewohner_innen. Eviction of GHS, 11.01.2018 – Call for solidarity Die Chronologie der GHS auf Deutsch und Englisch Pressestatement der Nachbarschaftsinitiative Ohlauer Straße (NIO), 19.7.2017: Wir kennen die beteiligten Menschen, wir respektieren die Umstände, wir erinnern die Absprachen Solidaritätsaufruf Andere Zustände ermöglichen (*aze) ____ DEUTSCH (English, French,… Read more »

Demo Ohlauerstr.
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Aufruf zu Solidarität mit den Bewohner*innen der Gerhart-Hauptmann-Schule

  Englisch/Französisch below Bewegungsfreiheit statt Staatsgewalt! Aufruf zu Solidarität mit den Bewohner*innen der Gerhart-Hauptmann-Schule Am 11. Januar soll die Gerhart-Hauptmann-Schule geräumt werden. Es ist zwar in den letzten drei Jahren etwas ruhiger um die Ohlauerstraße geworden, aber die Relevanz der Kämpfe dieser Gruppe ist nach wie vor groß. Lange vor der ‘Willkommenskultur’ zeigte der March… Read more »

Gerhard Hauptman Schule

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MESSERANGRIFF AUF ROMA: PROZESSBEGINN

vom Roma Antidiskrimination Network 24.09.2019 Mit der Verlesung der Anklage begann gestern der Prozess gegen Marias Angreiferin. Der Staatsanwalt äußerte, die Angreiferin habe mit ihrem Verhalten in Kauf genommen, dass Maria und ihre Verwandten sterben. Die Angeklagte wollte sich nicht äußern und ihr Anwalt hat in ihrem Namen eine Erklärung vorgelesen. In ihrer Aussage schilderte… Read more »

corasol / News

28.09. 10 Jahre – Das muss gefeiert werden! // 28/09 10 ans – ça se fête! // Sept. 28th 10 years have to be celebrated!

– francais en bas – english below – 10 Jahre – Das muss gefeiert werden! Im Jahr 2009 haben wir unseren unerbittlichen Kampf gegen Rassismus und andere Formen der Diskriminierung begonnen. Wir haben gegen das Gutschein-System, die neuen Asylgesetze, Abschiebungen, die Residenzpflicht, die Schikanen der Ausländerbehörde, und vieles mehr gekämpft.Wir haben auch Flüchtlinge und Aktivisten… Read more »