facebook feed fist header movement-text refugee-movement-text twitter youtube
Statements / Support/Solidarity

Arbeitskreis Kritische Soziale Arbeit – Stellungnahme zum Umgang mit Flucht, Migration und Rassismus

Stellungnahme des AKS (Arbeitskreis Kritische Soziale Arbeit) Berlin zum Umgang mit Flucht, Migration und Rassismus

pdf

Stellungnahme des AKS (Arbeitskreis Kritische Soziale Arbeit) Berlin zum Umgang mit Flucht, Migration und Rassismus

Innerhalb der Zivilgesellschaft und in den Medien scheint es derzeit ein brennendes Thema zu geben: Geflüchtete Menschen alias ‚Flüchtlinge’. Diese Thematik wird insbesondere durch ein Paradoxon geprägt, das sich einerseits aus Angela Merkels ‚We can do it’ und ‚Willkommenskultur’ sowie andererseits aus rassistischen Übergriffen und massiven Gesetzesverschärfungen zusammensetzt. Dieses Paradoxon und damit einhergehende, unzumutbare Lebensumstände, denen geflüchtete Menschen (teilweise seit Jahrzehnten) ausgeliefert sind und an denen sich auf politischer Ebene höchsten zum Negativen etwas ändert, sehen wir als Anlass zu dieser Stellungnahme.

Zunächst wechseln wir das Licht, das derzeit ehrenamtliches Engagement hell erleuchten lässt, in ein weniger Blendendes: Die große Euphorie der Hilfsbereitschaft verleitet viele Leute zu einem romantisierenden Blick auf den Umgang mit Flucht, Migration und Asyl. Dieser Eindruck wird durch das mediale Bild und Merkels Aussage „Flüchtlinge mit offenen Armen empfangen zu wollen“1 entschieden untermauert. So kommt es zum Anschein eines „herzerwärmenden“2 Umgangs mit geflüchteten Menschen – der beispielsweise das Delegiertentreffen der International Federation of Social Workers (IFSW) dazu bewegte, Deutschland und Österreich als Beispielländer zu nennen, da dort die Haltung vertreten würde „Flüchtlinge so schnell wie möglich aufzunehmen und menschlich zu versorgen“3. Im Hinblick auf die Zustände am LaGeSo, die vielen Not- und Massenunterkünfte sowie die kürzlich getroffenen Gesetzesverschärfungen – Pro Asyl spricht in diesem Zusammenhang von einem „Frontalangriff auf das individuelle Asylrecht“4 – klingen derartige Statements jedoch zynisch.

Und nicht nur diese Tatsache, die Grundlage dafür bietet, dass verschiedene ‚Flüchtlingsgruppen’ konstruiert und gegeneinander ausgespielt werden; auch ein Blick in die „Chronik der Gewalt“5 verdeutlicht schnell, dass das Engagement von Teilen der Zivilbevölkerung nur eine Seite der Medaille ist. Darüber hinaus ist auch diese eine Seite der Medaille – trotz jeder guten Absichten – nicht durchweg positiv: Denn weitestgehend unbeachtet bleibt, aus welcher Notwendigkeit das freiwillige Engagement hervorgeht, zu welchen Bedingungen es stattfindet und welche Konsequenzen damit einhergehen. Außen vor bleibt dementsprechend auch eine kritische Betrachtung der „neoliberalen Vereinnahmung von Flüchtlingshilfe“6 sowie der Privatisierung von Hilfe, sprich der Verlagerung politischer und institutioneller Verantwortlichkeiten auf die Zivilgesellschaft. Zudem fehlt häufig eine Analyse der Fluchtgründe, der ‚Warums’ und ‚Wofürs’. Eine der fatalen Folgen ist, dass bestehende Macht-, Herrschafts- und Ausbeutungsverhältnisse aufrechterhalten und stabilisiert werden. Eine andere, dass bestimmte Personen in eine Abhängigkeit ‚vom Wohltun anderer’ versetzt werden.

Das zumeist ehrenamtliche Engagement vieler Menschen sowie das medial transportierte Bild deutscher Geflüchtetenpolitik scheint ‚Deutschland’ nutzen zu wollen, um ‚der Welt’ ein neues Gesicht in Bezug auf Flucht und Migration präsentieren zu können. Ein Gesicht, auf dessen Stirn in großen Buchstaben steht: WILLKOMMEN und INTEGRATION. Aber welche Gedanken verbergen sich dahinter? Wie sind diese Worte mit den massiven Asylrechtsverschärfungen und täglich stattfindenden rassistischen Übergriffen vereinbar? Was für ein Denken ermöglicht, dass sich die NPD am 19.11.15 unter Polizeischutz direkt vorm LaGeSo für eine Kundgebung versammeln kann? Und wer kommt auf die Idee, am 24.11.15 Strafanzeigen gegen das Staatstheater Mainz zu stellen, da dieses eine AfD-Demonstration mit dem Singen der „Ode an die Freude“ musikalisch untermalte?

Diese Liste ist derzeit bis ins Unendliche fortzuführen. Bewegt von den vielen Fragen geflüchteter Menschen an die deutsche Politik. Bewegt von unserer Berufsethik, mit der derzeitige Verhältnisse und Geschehnisse nicht vereinbar sind. Bewegt von einem Selbstverständnis Sozialer Arbeit, das bei derartigen Zuständen kritische Interventionen – auch auf politischer Ebene – verlangt. Und bewegt auch von der grundsätzlichen Frage, warum eine politisch-rechtliche Regulierung von Flucht und Migration überhaupt notwendig ist.

Der AKS Berlin sieht die derzeitige Situation als untragbar an und fordert insbesondere Verantwortliche dazu auf, hinzusehen, zu hinterfragen, Haltung zu beziehen, Rassismus und Ungleichheitsideologien aufs Schärfste zu verurteilen und sich entschieden für ein solidarisches Miteinander sowie sich für menschenwürdige Lebensbedingungen für alle einzusetzen. Damit nehmen wir auch Bezug auf die nach wie vor katastrophalen Zustände vorm LaGeSo und sehen diese symbolisch für die Situation vieler Menschen, die unter unwürdigen Bedingungen in Deutschland leben und deren Rechte immer weiter eingedämmt werden. Nicht zu vergessen sei in diesem Zusammenhang, dass diese Missstände auch unzumutbar für die vor Ort Helfenden sind. Denn diese werden oftmals, aufgrund eines massiven Scheiterns der Regierung, in widersprüchliche Rollen hineinmanövriert. Das lässt viele mit dem Dilemma zurück, durch ihre Hilfe im Endeffekt den Kreislauf des Versagens aktiv zu unterstützen. Und auch professionell ausgebildeten Sozialarbeitenden scheint es nahezu unmöglich, beruflich-ethische Standards sowie eigene Ansprüche zu erfüllen, da ihnen die Aufgabe zugeteilt wird, Koordinierungs- und Kontrollfunktionen zu übernehmen. Letztendlich sind es auch diese Mechanismen, die das verhindern, was eigentlich notwendig wäre:

„Refugees must not be seen as victims or burdens, dependent and in need of help. There should be political solidarity. Refugees do not need food and drink in so much as they need freedom, dignity, and safety from xenophobic attacks. Finally, they need protection from the laws that restrict their movements and remove their freedoms. They live in authoritarian conditions in countries said to be democratic.“ (Adam Bahar 2015) 7

______________________________________

1 Spiegel Online Politik. Artikel vom 25.09.2015. Online verfügbar unter: http://www.spiegel.de/politik/deutschland/fluechtlinge-die-wichtigsten-politiker-zitate-in-der-krise-a-1054103.html [01.10.15].
2 Goldapp, Naemi: Die Welt bejubelt Deutschland – „herzerwärmend“!, in: Die Welt Politik Presseschau. Artikel vom 06.09.2015. Online verfügbar unter: http://www.welt.de/politik/deutschland/article146079572/Die-Welt-bejubelt-Deutschland-herzerwaermend.html [01.10.15].
3 Zu lesen ist dies unter „Stellungnahme des IFSW zur Flüchtlingskrise“ auf folgender Seite des DBSH: https://www.dbsh.de/sozialpolitik/handlungsfelder/migration-integration.html [26.11.15],
4 Pro Asyl Stellungnahme vom 18.11.2015. Online verfügbar unter: http://www.proasyl.de/de/news/detail/news/asylpaket_ii_frontalangriff_auf_das_individuelle_asylrecht/ [25.11.15].
5 Mut Gegen Rechte Gewalt: Chronik flüchtlingsfeindlicher Vorfälle 2015. Online verfügbar unter: http://mut-gegen-rechte-gewalt.de/service/chronik-vorfaelle [25.11.15].
6 Bröse, Johanna/Friedrich, Sebastian: Der schmale Grad der Hilfe, in: ak – analyse & kritik – zeitung für linke Debatte und Praxis / Nr. 607 / 18.8.2015. Online verfügbar unter: https://www.akweb.de/ak_s/ak607/08.htm [01.10.15].
7 Adam Bahar ist ein politischer Aktivist aus dem Sudan, der derzeit im Exil in Deutschland lebt und Teil des refugee movement Berlin, Deutschland und Europa ist. Sein aktuelles Essay „Refugees need freedom, not handouts“ vom 23.11.15 zu lesen unter http://africasacountry.com/2015/11/refugees-need-freedom-not-handouts/ [26.11.15].

Statements

News / Statements / Support/Solidarity

Protest: Schutzräume schaffen – Abschiebungen verhindern – Kriminalisierung der Solidarität stoppen

  Schlossplatz Aschaffenburg von Solidarity City Aschaffenburg & Seebrücke Aschaffenburg and We’ll come united Donnerstag, 6. Mai in Aschaffenburg – Prozess gegen Hagen Kopp wegen Aufruf zu Bürger:innenAsyl 9.00 Uhr Prozessbeginn im Landgericht11.00 Uhr Kundgebung auf dem Schlossplatz Charterabschiebungen nach Afghanistan und nun sogar nach Sri Lanka, Einzelabschiebungen nach Somalia oder Äthiopien. Die Verantwortlichen kennen keine Tabus mehr…. Read more »

berlin news / News / Statements

22.03.2021: Berlins lebensgefährliche Abschiebepolitik – Suizid eines jungen Mannes aus Guinea

Flüchtlingsrat Berlin, Guinée Solidaire, Beratungs- und Betreuungszentrum für junge Geflüchtete und Migrant*innen BBZ, Black Lives Matter Berlin, Migrantifa Berlin, We’ll Come United Berlin Brandenburg, Moabit hilft e.V., Schöneberg hilft e.V., Be an Angel e.V., Willkommen im Westend, ISD Initiative Schwarze Menschen in Deutschland e.V. hier als pdf Berlins Innensenator präsentiert sich im Vorwahlkampf als Hardliner in Punkto Abschiebungen. Ob Guinea,… Read more »

Daily Resistance Newspaper / international / International Refugee Movement / News / Statements

Urgent Call from Moria Camp for Help in Corona Times

Update 2/9/2020: This call was the second open letter to the EU and its member states to evict the Moria camp on the greek island of Lesvos in face of the pandemic threat. The inhabitants of the overcrowded camp have not received any answer so far, while everyone on the spot, including the support initiatives… Read more »

Featured

german wide movement / Knowledges / News / Support/Solidarity

Conference on the Sudanese refugees’ situation in Germany (31 January at 21:00 on Skype)

Update 3 On 31/1/2021 at 21:00 we have a continuation of a workshop about Sudanese refugees from Schaumberg/Niedersachsen online to discuss the refugee’s situation. This is the 4th workshop now. We are not going to be silent, until the deportation is stopped, until the isolation of refugees is broken, and until the primary, secondary, and universal… Read more »

picture of demonstration banner against lager and deportation
Daily Resistance Newspaper / News

Daily Resistance Monthly Editorial Meeting continues on July, 9

On July 9, 2018, the current editorial team of >Daily Resistance< will continue its new monthly meeting. It is the third in a series of social and working get-togethers that tries to bring together people who want to share their ideas about the newspaper, who want to contribute and who want to work on upcoming… Read more »

berlin news / Demo / News / oplatz / School / Support/Solidarity

Kundgebung & Demo zur Räumung der Ohlauer/GHS, 11.01.2018, 7:45

Räumung der GHS am 11.01.2018 – Solidarität mit den Bewohner_innen. Eviction of GHS, 11.01.2018 – Call for solidarity Die Chronologie der GHS auf Deutsch und Englisch Pressestatement der Nachbarschaftsinitiative Ohlauer Straße (NIO), 19.7.2017: Wir kennen die beteiligten Menschen, wir respektieren die Umstände, wir erinnern die Absprachen Solidaritätsaufruf Andere Zustände ermöglichen (*aze) ____ DEUTSCH (English, French,… Read more »

Demo Ohlauerstr.

Recent

berlin news / International Refugee Movement / News / Support/Solidarity

Freedom to move, freedom to stay! Rally in front of BAMF, 6 September, 13h

The asylum-seeking population is mostly affected by the lack of opportunities, by the limitations of the state and its structures. Their integrity, their identity, their lives are in mortal danger where they come from and when they arrive here they are met with indifferent and inhumane treatment by the BAMF and the Ausländerbehörde. These institutions… Read more »

berlin news / german wide movement / International Refugee Movement / News / oplatz

Success! YOU STILL CAN’T EVICT A MOVEMENT!!!

After six days of protest the district provided a favorable response and met almost all of our demands. The document is now under Napuli’s name. Now it’s possible to establish an info-point again which is allowed to be as big as 7 x 11 meters. The document states that “the info-point can be used as… Read more »

berlin news / News / oplatz / Support/Solidarity / Videos

“You can’t evict a movement! And evacuate now!”

Wir fordern den Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg und den Berliner Senat auf, sich an die 2014 mit der Refugee-Bewegung getroffene Vereinbarung zu halten, den Oranienplatz auf Wunsch als Infopunkt für Veranstaltungen und Proteste nutzen zu können. Am Freitag, den 27. August 2021, sollte auf dem Oranienplatz eine Veranstaltungsreihe des Tak-Theaters beginnen – darunter eine Diskussion mit Napuli… Read more »

berlin news / News / Support/Solidarity

Soli-Küfa: Anti-Deportation Café, Samstag, 7.August, 16-21.30 Uhr, Oranienstraße 45

➔ Saturday, 7 August between 16:00 until 21:30➔ Bilgisaray (Oranienstraße 45 / U8 Moritzplatz) In Berlin finden die ganze Zeit Abschiebungen statt. Allabendlich droht die Gefahr von Polizeirazzien: Menschen werden aus ihren Betten geholt und in Abschiebeflugzeuge gezwungen. Dies findet in ganz Berlin statt; in Flüchtlingsunterkünften, in der Nachbarschaft, in Wohnungen um die Ecke. Während… Read more »

berlin news / News / Support/Solidarity

Küfa: No borders, no deportations! Freitag, 6. August, ab 17 Uhr, Prinzessinnengarten

von No Border Assembly Am Freitag kochen wir in den Prinzessinnengärten für Bewegungsfreiheit, Bleiberecht für alle und gegen Abschiebungen! Bringt gerne euer eignes T-Shirt zum Bedrucken bei unserem Siebdruckworkshop mit!Kommt vorbei! → Friday, 7 Aug. @17:00 → Prinzessinnengarten (Prinzenstr.35-38 / U8 Moritzplatz) There will be Workshops, Live-Music, Soli-Kitchen, Drinks & a T-Shirt printing workshop (bring… Read more »

berlin news / News / oplatz / women-in-exile

A LUTA CONTINUA! — der Kampf geht weiter!

von FLINTA*STADT, MGB, Women in Exile & Friends Mit Women in Exile & Friends gegen das Lagersystem und Rassismus Am 4. August 2021 kommen Women in Exile & Friends von der alljährlichen Sommerbustour zurück, die diesmal nach Hamburg, Bremen und Mecklenburg-Vorpommern führt. Wir begrüssen sie ab 15 Uhr mit einem Fest auf dem O.-Platz in Kreuzberg und nehmen ihre Rückkehr… Read more »