Tag: Asylrechtsverschärfung

Afghan Refugees and the Deport // Seminar // Selay Ghaffar

A talk by Selay Ghafar, spokesperson for Solidarity Party of Afghanistan

(in English)

Time: Sunday, 11 Dec 2016, 6:30pm
Address: Admiralstraße 17, 10999 Berlin, Deutschland
The new contract of Afghanistan with European countries. The self organization of Afghan Refugees to fight against deportations and the tightening of Asylum Laws
Organizers:

سیلی غفارسخنگوی حزب همبستگی افغانستان

زمان برنامه:

یکشنبه 11 دسامبر 2016 به زبان انگلیسی

دوشنبه 12 دسامبر 2016 به زبان فارسی

موضوع برنامه: پناهجویان افغانستانی و مسئله‌ی دیپورت

برنامه‌ی روز یکشنبه: افسانه‌ی امن بودن افغانستان، دلایل فرار مردم افغانستان از این کشور و قرارداد اخیر دولت افغانستان با کشورهای اروپایی

برنامه‌ی روز دوشنبه: قرارداد اخیر دولت افغانستان با کشورهای اروپایی، لزوم خودسازماندهی پناهجویان افغانستانی برای مبارزه با دیپورت و قوانین سختگیرانه علیه پناهجویان

برگزارکننده:

ریشه‌های خیابانی _ برلین

هواداران حزب همبستگی افغانستان در اروپا

 

Afghan Refugees Deport Issue

Street Roots Manjanigh

Stop Deporation Demo in Berlin, 22.10.2016, 14 Uhr

Stop Deportation group Demo in Berlin (English text below)

Wir rufen für den 22. Oktober 2016 zur Demonstration auf!

ABOUT: Stop Deporation – stoppt Abschiebungen nach Pakistan, stoppt Dublin-III-Abschiebungen nach Ungarn, stoppt alle Abschiebungen!

START: Berlin, U-Bhf Turmstrasse,
WANN: 22.10.2016,
TIME: 14:00 – 18:00 Uhr

Die Berliner Initiative „Stop Deportation Group“ solidarisiert sich mit pakistanischen Flüchtlingen und mit Flüchtlingen die von den Dublin-III-Verordnungen betroffen sind.

Die Europäische Union plante Ende 2015, tausende pakistanische Flüchtlinge abzuschieben, um Platz für „legitime“ Migrant_innen zu machen. Nun scheint Deutschland diese Praxis unter Hochdruck anzuwenden: Flüchtlinge aus Pakistan werden in Charterflüge gesetzt, in die Türkei ausgeflogen und von dort nach Islamabad/Pakistan abgeschoben.

Deutsche Behörden missachten das Grundgesetzt in Asylverfahren, um ihre eigene Agenda zu verfolgen. Die Berliner Gruppe “Stop Deportation Group” demonstriert gegen programmatische Abschiebungen, ohne dass die Geflüchteten angehört werden und ohne dass ihnen ein rechtmäßiges Asylverfahren zuteil wird. Wir verlangen, dass alle Asylverfahren rechtmäßig durchgeführt werden! Nicht nur pakistanische Flüchtlinge leiden unter dem Missbrauch durch die Behörden. Pakistanische Flüchtlinge sind jedoch besonders gefährdet, da ihnen im Falle einer Abschiebung Staatswillkür und Gefängnis drohen.

DER STRECKENVERLAUF AM 22.OKTOBER 2016:

-> U-Bhf Turmstraße bis Pariser Platz (siehe Anhang)

Lasst uns am 22. Oktober 2016 gemeinsam unsere Solidarität mit Geflüchteten bekunden!

*******************ENGLISH*********************
Call for demonstration on the 22nd of October 2016

ABOUT: Stop deportations to Pakistan, stop Dublin III deportations to Hungary, stop all deportations!

START: Berlin, U-Bhf Turmstrasse,
DATE: 22.10.2016,
TIME: 14:00 – 18:00 Uhr

The Berlin based Stop Deportation Group calls to show solidarity with Pakistani refugees and those threatened by deportation under Dublin III. Join the rally on October 22nd 2016!

In 2015, the European Union made the decision to deport thousands of Pakistani refugees to “make room” for so-called “legitimate“ migrants. Now, this policy is being implemented in German practice: Refugees from Pakistan are forced to get on the next available charter flight to Turkey. They will then be deported to Islamabad, Pakistan.

Still, it becomes quite clear in some cases of asylum procedures that German authorities simply will not conform to legal standards if these do not fit their agenda. We protest against programmatic deportation! We demand ALL asylum procedures to be carried out according to the law! Not only do Pakistanis suffer from this abuse by German authorities – back in Pakistan they are threatened by the state’s despotism and thus the possibility of imprisonment. This happens in a huge scale, unseen by the public.

Route on October 22nd, 2016:

-> U-Bhf Turmstraße to Pariser Platz (email attachment)

Join us and show your solidarity with refugees, on October 22nd, 2016! Stop Deportation!

The second issue of >Daily Resistance< is out!

Dear people from all over the world, this is the second issue of the newspaper >Daily Resistance< (Read it as a PDF)! It is written by people in the same position like you as so-called refugees who don’t accept their disfranchisement by the German state. They write about their fight and share their opinions to reach out to people who are in the same situation. They are supported by very few citizens and friends in solidarity. Together, we are a growing group of people who are fighting against a system of politicians, media and capitalists that is based on dehumanizing laws, that criminalizes and instrumentalizes people and that exposes itself by the capitalized lager industry.

After releasing the first issue of Daily Resistance, we have received a lot of positive feedback. Many of people started to show interest in writing for the newspaper or distributing it in lagers. Initially, we printed 2000 copies. Soon they were all gone and we realized we have to print more. In the end, we distributed more than 5000 copies in Berlin, Munchen, Jena, Erfurt, Bremen, Darmstadt, Kiel, Hannover, Delmenhorst, Landshut … also in Manchester and Vienna. In Thessaloniki, people managed to throw packages of newspapers over the fences of a closed lager. This is all incredible and gave us the energy to continue. We like to thank everybody who moved the newspaper forward and invite all to join in the fight of breaking the isolation in lagers.

You can join and contribute to the newspaper as an author or join as translater, lecturer, editor, photographer, distributer, … get in contact with us.
The newspaper is now ready for distribution!
We are trying to distribute the newspaper german-wide. You are more than welcome to help distribute the newspaper in your city. Just get in contact with us and we organize it together. We are also working on a list of contact persons who have access to lagers and can distribute the newspaper by putting it directly into the hands of the adressed, past the security. Please get in contact with us, if you can distribute.
We are very interested in your opinion, in your ideas and your criticism, too. Please get in touch: dailyresistance@oplatz.net
Peace
The Daily Resistance Group

Unterstützt die Dauermahnwache am Mahnmal für die ermorderten Sinti und Roma Europas – Alle Roma bleiben!

Roma Protestvon atyeni

Am 3. Juni demonstrierten Roma in Berlin gegen Abschiebung und für ein dauerhaftes Bleiberecht. Das Denkmal für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma dürfen sie nicht betreten. Gitter und Polizeiketten sperrten sie von ihrer eigenen Gedenkstätte ab, während Touristen ahnungslos auf der anderen Seite stehen.

Der Sommer wird kalt in Deutschland

 

Demonstration and Rally – All Sinti and Roma stay! – Demo und Dauerkundgebung – Alle Sinti und Roma bleiben. Freitag 03.06.2016 um 17 h Alexanderplatz

Romano Jekipe ProtestDemonstration and Rally for the Right to Stay for all Sinti and Roma call in english see below
Solidarität mit den vom “Denkmal für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma” geräumten Roma.
Achtung!!! Da noch weitere betroffene Menschen teilnehmen möchten und erst in den nächsten Tagen anreisen können, haben wir die Demonstration und die Dauerkundgebung auf Freitag, den 3. Juni, verschoben. Vielen Dank für Euer Verständnis und Eure Solidarität!
Demonstration zum und Dauerkundgebung vor dem Denkmal.
Freitag 03.06.2016 um 17:00 Uhr am Alexanderplatz, Weltzeituhr
Weil Deutschland uns abschieben will und wir keine andere Wahl haben, haben wir das “Denkmal für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma” am 22.05.2016 besetzt – den Ort, an dem an unsere deportierten und ermordeten Großeltern erinnert werden soll. Die Politik sollte sich schämen. Bereits kurz nach Mitternacht wurde unser Protest gewaltvoll geräumt, unsere Kinder wurden an diesem Ort geschlagen und bedroht. Das haben wir und unsere Kinder nicht verdient. Wir befürchten, dass auch unsere Enkelkinder Gewalt, Ausgrenzung und Rassismus erleben werden.
Das werden wir nicht zulassen!
Deswegen werden wir am Dienstag, den 31.05.2016 an diesen Ort zurückkehren. Es ist der richtige Weg, um auf unsere Situation aufmerksam zu machen. Es ist der richtige Ort! Wir haben den Platz ausgesucht aus Respekt und als Würdigung unserer im Nationalsozialismus ermordeten Vorfahren.
Wann wird Deutschland uns Sinti und Roma endlich mal als Menschen respektieren?
Wir Roma haben kein Land und kein Land schuldet uns etwas. Doch wir haben ein Recht auf ein würdevolles Leben. Das schuldet uns Deutschland! Wir fordern unser Recht in Deutschland ein!
Wir verlangen eine Revision der Asylrechtsverschärfung, bedingungsloses Bleiberecht in Deutschland und gesellschaftliche Teilhabe. Das historische Versprechen, Sinti und Roma zu integrieren, muss mehr als 70 Jahre nach der Ermordung einer halben Million Angehöriger unserer Minderheit – fast einundneunzig Prozent – endlich Realität werden.
Wir werden vom Gesetz und der Politik im Stich gelassen. Alle Sinti und Roma aus dem Balkan müssen Deutschland verlassen, weil diese Länder als vermeintlich sichere Herkunftsländer bestimmt wurden. Doch für uns sind die Balkanländer nicht sicher. Dort ist unser Leben bedroht, wir werden systematisch isoliert, ausgegrenzt, verfolgt und sind staatlicher Willkür ausgesetzt. Für uns gibt es in diesen Ländern kein Leben, Abschiebung ist keine Option.
Wir erheben uns für alle Sinti und Roma. Wir werden und können nicht aufgeben! Wir kämpfen weiter und fordern alle Sinti und Roma sowie die Bürgerinnen und Bürger Deutschlands dazu auf, uns in unserem Kampf um Bleiberecht und einer Lebensperspektive für Sinti und Roma zu unterstützen.
Die Solidaritätsbekundungen der Politiker und Politikerinnen und auch die Versprechen derer, die für die Räumung verantwortlich sind, sollen nicht länger leere Worte bleiben. Wir werden gegenüber vom Eingang des Denkmals bleiben, bis wir unsere Rechte, die uns in den 50er Jahren zugesprochen wurden, bekommen.
015215424831
stefan.romanojekipe@riseup.net
For the Right to stay for all Sinti and Roma

Solidarity with the Roma who were evicted from the “Memorial to the
Sinti and Roma Victims of National Socialism”

Manifestation and rally in front of the Memorial | 3th June 2016, 17:00 at Alexanderplatz (Weltzeituhr)

Due to the fact that Germany wants to deport us and because we do not have
another choice, we have occupied the “Memorial to the Sinti and Roma Victims of
National Socialism” on the 22 of May 2016, the place for the remembrance
of our deported and murdered grandparents. The politics should be
ashamed. Soon after midnight our protest was evicted violently, our
children were beaten and threatened at this place. We and our children
have not deserved that. We are afraid that even our grandchildren will
experience violence, exclusion and racism too. We will not allow that!
That´s why we will return to that place on Friday 3th June 2016.

This is the right way to call for attention to our situation. It is the
right place! We have chosen the place in respect and in commemoration of
our murdered ancestors during the National Socialism. When will Germany
finally respect us Sinti and Roma as human beings? We Roma have no state
and no state owes us something. But we have the right of a life in
dignity. This is what Germany owes to us. We demand our right in Germany!

We demand a revision of the tightening of the asylum laws, unconditional
right to stay in Germany and social participation. The historical
promise to integrate Sinti and Roma has to be realized more than 70
years after the murder of half a million of members of our minority –
almost 91 percent.

We are abandoned by law and politics. All Sinti and Roma from the
Balkans have to leave Germany because these states are declared as so
called 'safe countries of origin'. But for us the Balkan countries are not
safe. Our lives are threatened and we are isolated, excluded and
persecuted systematically and we are exposed to despotism of
the state. For us there is no life in these countries, deportation is no
option.

We are rising up for all Sinti and Roma. We will not give up! We cannot
give up! We keep fighting and ask all Sinti and Roma and all German
citizens to support our struggle for the right to stay and for a life
perspective for Sinti and Roma.

The declarations of solidarity by politicians and also the promises of
those who are responsible for the eviction should no longer be empty
words. We will stay in front of the entrance of the memorial until we
get our rights, which were awarded to us in the 1950s.

Romano Jekipe Ano Hamburg
015215424831
stefan.romanojekipe@riseup.net

Stellungnahme IniRromnja zur Protestaktion von Romano Jekipe

IniRromnja Stellungnahme

Stellungnahme IniRromnja

Das Berliner Denkmal/Mahnmal für die Ermordeten Sinti und Roma Europas wurde am 22.5.2016 zum Protestort einer Gruppe Romn*ja, Familien mit Kindern und Einzel-Aktivist*innen, die sich mit einer Verzweiflungstat gegen ihre drohende Abschiebung stellten. Ihre Planung bis zur Pressekonferenz am kommenden Tag, den 23.05. um 11 Uhr zu verweilen wurde durch eine gewaltvolle Räumung um 23:30 verhindert. Nach unserer Information begründete die Polizei die Räumung damit, dass der Ort ein Gedenkort und ein befriedeter Bezirk sei. Vor der Räumung sollen verschiedene Vertreter*innen von NGOs und die Mitarbeiter*innen, der für das Denkmal zuständigen: „Stiftung Denkmal“ versucht haben die Aktivist*innen zum Aufgeben zu überreden während wenige Andere unterstützend herbeikamen.

Denkmal und Mahnmal an die ermordeten Sinti und Roma Europas

Wir, die IniRromnja haben bereits seit 2012 in unseren Texten den Begriff Denkmal mit dem Begriff Mahnmal entweder ergänzt oder ersetzt. Denkmal erinnert an die Vergangenheit. An hinter uns liegende und entsetzliche Geschichte, die wir nicht vergessen wollen und können. Ein Mahnmal hingegen greift aktiv ein und mahnt die Menschen der Gegenwart an die Taten der Vergangenheit und verpflichtet zum Handeln, damit dies nie wieder geschehen kann.

Die Gegenwart ist auf den Steinen, den Straßen mit den Händen und den Mitteln der Vergangenheit gebaut. Wir heute, insbesondere in Deutschland und insbesondere die Gesetzgebung und Politik sollten durch dieses Mahnmal auch daran ermahnt werden, den Nachkommen der Opfer ein menschenwürdiges Leben zu ermöglichen. Viele Rom*nja können bis heute ihrer Toten nicht im stillen Gedenken, weil sie durch ihren brutalen Alltag, durch das prekäre Leben, durch den täglichen Kampf ums Überleben, um Würde für das Wohl ihrer Familien und ihrer Selbst kämpfen. Keine Zeit zum Erinnern, keine Zeit zum Ausruhen.

Wir als IniRromnja haben aus Respekt vor dem Ort und vor dem stillen Gedenken bislang keine Veranstaltung innerhalb des Denkmals/Mahnmals gemacht! Viele Sinte und Roma und so auch einige Frauen* der IniRromnja sehen das Denkmal/Mahnmal auch als eine Art Friedhof für die vielen Ermordeten, die nie ein Grab erhalten haben und empfinden den Ort daher für Veranstaltungen als unangemessen.

Doch wir können nicht anders als diese Protest – Aktion unserer Schwestern* und Brüder*, die aus Hamburg Kiel und anderen Städten angereist sind mit ambivalenten Gefühlen aber vollen Herzen zu unterstützen.

Wir respektieren ihren Kampf um Bleiberecht!

Wir teilen ihre Kritik an den 2014 und 2015 politisch unhaltbaren Erklärungen von sicheren Herkunftsstaaten!

Wir kritisieren aufs Schärfste die neuesten restriktiven Asylrechtseinschränkungen des sogenannten „Asylpaket II“!

Wir wünschen uns, dass es viele andere Orte gäbe an denen der Hinweis auf die Kontinuitäten der Entrechtung und des Elends von Romn*ja so deutlich gemacht werden könnten – aber für unsere Leute gibt es diese Orte leider nicht. Diese Orte sind so rar, wie es ein mahnendes, ein aktives Gedenken ist.

Wenn auf dem Denkmal/Mahnmal die Nachkommen der Mehrheitsgesellschaft sowie politische Entscheidungsträgeri*innen Deutschlands Gedenkveranstaltungen abhalten können, dann muss es an diesem Ort auch für die Nachfahren von verfolgten und ermordeten Romn*ja Europas, die aktuell und akut in ihrer Menschenwürde verletzt werden, einen Platz geben.

Wir unterstützen die Bleiberechtsforderungen von Romano Jekipe!

Die Menschen kämpfen dagegen gewaltsam an einen Ort versetzt zu werden, an dem die Lebensbedingungen so schlecht sind, dass sie ihr Leben verkürzen. Das ist keine Phantasie-Dichtung, sondern die bittere Realität auch heute! Laut Studie des Kinderhilfswerks der Vereinten Nationen, UNICEF, liegt die Kindersterblichkeit bei Rrom_nja, trotz anders lautender offizieller Statistiken nach wie vor mindestens vier Mal über dem Landesdurchschnitt (vgl. Waringo 2013, S. 28 f.). Die durchschnittliche Lebenserwartung für Rromafrauen in informellen Siedlungen liegt bei 48 Jahren wohingegen die durchschnittliche Lebenserwartung in Serbien allgemein 74 Jahre beträgt (vgl. Amnesty International Schweiz 2011). In Serbien gibt es 593 Rroma-Siedlungen, von denen 72 Prozent nicht legalisiert wurden. Allein in Belgrad gibt es 137 solcher Siedlungen, ca. ein Drittel dieser Siedlungen haben keine Wasserversorgung; 70 Prozent sind nicht an das Abwassersystem angeschlossen.

Diese Lebensbedingungen zeigen: Es gibt für Romn*ja keine sicheren Herkunftstaten!

Wir solidarisieren uns mit den Forderungen von Romano Jekipe!

Roma Days Pressekonferenz

Romano Jekipe Kundgebung

Update: Das Video der Pressekonferenz vom 23. Mai

Kurzfristig Pressekonferenz am Montag, den 23. Mai um 11 Uhr am Denkmal für die im Nationalsozialismus ermordeten Roma und Sinti Europas, Simsonweg.

Die Pressekonferenz findet trotz der nächtlichen Räumung wie angekündigt statt.

Wir kämpfen gegen unsere Abschiebungen und bleiben solange, bis unsere Forderung nach Bleiberecht Gehör gefunden hat.

Kontakt: Niko 015218237167

ROMA DAYS BERLIN


PRESSEMITTEILUNG 

Berlin, 22. 05.2016

Wir sind hier – Berlin  Mahnmal für die ermordeten Sinti und Roma

Einigen von uns droht die Abschiebung. Andere sollten abgeschoben werden. Mit den Gesetzesänderungen der letzten Monate ist die Situation für uns sehr schlecht geworden.

Denjenigen, die in dieser Zeit neu nach Deutschland kommt, um hier Schutz zu suchen gelingt es oft gar nicht mehr, überhaupt hier anzukommen: kaserniert in Sonderlagern für u.a. Balkanflüchtlinge müssen sie eine Bearbeitung der Schutzgesuche abwarten, nahezu hundert Prozent davon Ablehnungen. Eine Bleibeperspektive wird von vornherein ausgeschlossen und gesetzlich verhindert. Ob organisierte Sammelabschiebungen oder die unmissverständlichen Aufforderung zur »freiwilligen Rückkehr« – abgespalten von den Flüchtlingen, deren Fluchtgründe als legitim gelten wird uns eine nur »geringe Bleibeperspektive« zugeordnet, dementsprechend werden uns Wege zu einem gleichberechtigten Leben hier versperrt. Ob wir seit drei Monaten hier leben, seit 2 oder 20 Jahren – wenn wir in die Staaten gehen deren Adler unsere Papiere ziert, dann erwarten uns Verfolgung, Rassismus, Ausschluss – und keine Spende aus Westeuropa kann unsere Probleme dort lösen. Die Lösung unserer Probleme liegt hier.
Wir können nicht mehr in unseren Verstecken bleiben.
Wir können nur unterwegs sein – oder etwas besetzen.

Wir haben uns entschieden uns auf den Weg zu machen. Wir verließen die Kommunen, die unsere Schutzgesuche ablehnen. Wir kommen hierher, nach Berlin, wo die Gesetze beschlossen werden die unsere Leben hier beenden. Nach Berlin, wo zuletzt im April diesen Jahres eine Veranstaltung am Mahnmal für die ermordeten Roma und Sinti Europas stattfand, in der die Mehrheitsgesellschaft sich mit uns solidarisch erklären wollte: der Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Mark Dainow. Aktivistinnen, die noch während der Veranstaltung mit ihren Zwischenrufen gegen Abschiebungen protestieren. Die Staatsministerin Aydan Özoğuz, Beauftragte für Migration, Flüchtlinge und Integration vertrat die deutsche Regierung. Zoni Weisz, der aus den Niederlanden stammende Sinto. Uwe Neumärker, Direktor der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas. Bundespräsident Joachim Gauck. Wana Limar, MTV-Moderatorin, und Arne Friedrich, ehemaliger Fußballnationalspieler. Die Bundestagsvizepräsidentinnen Petra Pau und Claudia Roth sowie Christine Lüders, Leiterin der Antidiskriminierungsstelle des Bundes.

Das war vor etwas über einem Monat! Die Erinnerungen an die Absperrungen für die Prominenten sind noch frisch. Und auch an manche schönen Sätze, die dort gesagt wurden.

Unsere Probleme lassen sich nicht an einem Feiertag lösen, vollkommen egal, wie lange dieser vorbereitet wurde. Jetzt sind wir wieder in der Nähe, in der gleichen Stadt.

Viele der aktuell von Abschiebung bedrohten Roma haben in ihren Familien Verfolgungsgeschichten. Viele sind Nachkommen von Opfern oder Überlebenden der Vernichtung. Dieser Tatsache muss endlich entsprochen werden

Uns bleibt nichts, als hier für unsere Rechte zu kämpfen.

16:30:uhr Denkmal für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma Europas
Simsonweg - 10557 Berlin

Mit folgenden Forderungen:

Wir brauchen eure Solidarität.

Wir fordern bedingungsloses Bleiberecht in Deutschland. Für uns alle. Zehn Jahre Aufenthalt und Chancen auf Schulbildung, Ausbildungsplätze, Arbeitsmarktintegration – auch wenn das irritierend normal klingt: das wäre mal ein Anfang.

Wir haben kein Dach überm Kopf. Wir wissen nicht, wohin. Wir bitten Städte wie AktivistInnen: um Asyl. Für die nächsten Wochen oder für immer. Wir würden uns gerne willkommen fühlen.

WIr fordern die Anerkennung unserer Fluchtgründe nach der Genfer Konvention. Wir fordern europäisches Recht weil unsere Verfolgung in ihrer Tradition ein europäisches Problem ist. Diesen Fakt abzuschieben ist nicht möglich.

Die historische Verantwortung in Deutschland umzusetzen hieße, Angehörigen der Minderheit der Roma, die hier wie dort über Generationen verfolgt werden eine Anerkennung zukommen zu lassen und wenigstens Schutz vor erneuterten Verfolgungen zu gewähren.

Die Entscheidung zur Sicherheit in Serbien, Mazedonien, Bosnien Herzegowina, Kosovo, Albanien und Montenegro ist eine Farce. Sie sollte ein Werkzeug sein um Menschen die Wege zum Aufbau von Perspektiven in Deutschland zu versperren. Das hat nichts mit der Lage in den Ländern zu tun, speziell der der Roma. Die Entscheidungen müssen zurückgenommen werden. (Wer A sagt muss nicht Z sagen. Er kann auch erkennen, das A falsch war.)

Alle bleiben!

Kontakt:Niko 015218237167

 

Festung Europa einreißen

Festung Europa einreißenDienstag | 19. April 2016 | 19 Uhr | Bandito Rosso | Lottumstraße 10a

Die Abschottung der EU wird immer weiter vorangetrieben. Kriegsschiffe von EU und Nato sind im Mittelmeer im Einsatz um Geflüchtete an der Überfahrt zu hindern. Außerdem soll die EU-Grenzschutzbehörde Frontex neue Befugnisse erhalten und zu einem europäischen Grenz- und Küstenwachsystem umgebaut werden. Geflüchtete werden in sogenannten Hot Spots in Griechenland und Italien registriert, festgesetzt und ein großer Teil wird direkt abgeschoben. Diejenigen, die es schaffen in die BRD zu kommen, sind mit Gesetzesverschärfungen wie dem Asylpaket II, Unterbringung in Lagern, Residenzpflicht, rassistischer Hetze und gewalttätigen Übergriffen konfrontiert. Neben dem staatlichen Rassismus erstarken rechte Bewegungen wie »Pegida« und die »Alternative für Deutschland«. Gewalttätige Übergriffe auf Geflüchtete und ihre Unterkünfte haben rasant zugenommen. Es zeigen sich deutliche Parallelen zu den rassistischen Mobilisierungen der 1990er Jahre. Der linke Aktivist Matthias Monroy wird über die Abschottungspolitik der EU und die Frage wie im Sommer 2015 die Mauern der Festung Europa ins Wanken kamen, sprechen. Der Refugee-Aktivist Turgay Ulu geht auf die Situation von Geflüchteten in der BRD und die Perspektiven der Refugee-Bewegung ein.

Flyer zur Veranstaltung

The first issue of the newspaper ›Daily Resistance‹ is now out!

Daily Resistance Newspaper
Daily Resistance Newspaper

Daily Resistance Newspaper

It is a newspaper published and written by people, so-called refugees, who don’t accept their disfranchisement by the German state. They write about their fight and share their opinions to reach out to people who are in the same situation.

It will be published on a continuous basis. Read the Newspaper-PDF. (You can find the print version here)
The authors and publishers are actively fighting against the criminal German state and the establishment suiting themselves. You can join and contribute to the newspaper as an author or join as translater, lecturer, editor, photographer, distributer, … get in contact with us: dailyresistance@oplatz.net
For now, there are 2000 copies waiting to be distributed throughout the lagers of Berlin and other places where newcomers can be reached. 300 copies will go to Munich, others to Göttingen, Cologne, Würzburg, …
We are working on a list of contact persons who have access to lagers and can distribute the newspaper by putting it directly into the hands of the adressed, past the security. Please get in contact with us if you can distribute: dailyresistance@oplatz.net
We are very interested in your opinion, in your ideas and your criticism, too. Please get in touch: dailyresistance@oplatz.net
Peace
The Daily Resistance Group

 thumb_IMG_8740_1024 thumb_IMG_8737_1024

Daily Resistance

Zuerst Willkommen, später auf Nimmerwiedersehen

Turgay-Ulu

Illustration: Benjamin Bertram

von Turgay Ulu und Suphi Toprak

Hat man in letzter Zeit häufiger die Nachrichten verfolgt, wird man festgestellt haben, dass die „Flüchtlingsthematik” an der Spitze der wichtigsten Tagesordnungspunkte in den europäischen Länder steht. Jedoch wird dabei die Thematik der Geflüchteten mit ihren ganzen Facetten und den eigentlichen Fluchtgründen nie zum Kern des Diskurses gemacht. Die Staaten gehen innerhalb ihrer strategisches Planung und Bewältigung des Themas mit einem, für sie Vorteil bringenden, Pragmatismus an die Sache heran

Vom „Flüchtlingsfrühling“ der Bourgeoisie zur organisierten Ausländer*innenfeindlichkeit

Unterdessen wurde, im Rahmen des Flüchtlingsdiskurses, das von der deutschen Regierung entworfene Asylpaket II zur weiteren Verschärfung des Asylrechtes vom Ministerrat bestätigt. Während die Geflüchteten in den ersten Wochen des massenhaften Flüchtlingsandrangs noch mit Blumen und willkommenheißenden Slogans empfangen wurden, werden nun gegen dieselben Menschen ständig neue Gesetzespakete zur Beschränkung ihrer Rechte verabschiedet. Mit jedem weiteren Gesetzespaket wird der Druck auf die Geflüchteten Stück für Stück weiter forciert. Die Tatsache, dass die Willkommenskultur bloß unglaubwürdige Plattitüde war, fällt nun wie Schuppen von den Augen.Mit den Asylpaketen wird ein deutliches „Nimmerwiedersehen ” in Richtung der Geflüchteten geschickt. Diese Asylpakete beinhalten im Grunde nichts anders, als die Geflüchteten, im wahrsten Sinne des Wortes, zu verpacken und wieder zurück, jenseits der europäischen Grenzen zu schicken.

Mit Verabschiedung des zweiten Asylpaketes wurde die Liste der sogenannten „sicheren Herkunftsländer” erweitert. Menschen, die demzufolge aus solchen angeblich sicheren Ländern fliehen, werden umgehend wieder abgeschoben. Im ersten Asylpaket wurden bereits die Balkanländer in die Kategorie der „sicheren Herkunftsländer” eingestuft. Nun werden mit dem zweiten Asylpaket Länder wie Algerien, Marokko und Tunesien der Liste hinzugefügt. Des Weiteren wird den Geflüchteten, um sprachliche Förderungen in Anspruch nehmen zu dürfen, 10€ pro Monat abgerechnet. Für diejenigen, die des Landes verwiesen werden, werden spezielle Camps errichtet, die sie dann auch nicht verlassen dürfen. Straffällige Geflüchtete werden ebenfalls wieder ausgewiesen. Geflüchtete, deren Staatsangehörigkeit nicht ermittelt werden kann, werden in Länder wie die Türkei zurückgeführt. Bekommen sie eine Aufenthaltsgenehmigung, dürfen sie die ersten zwei Jahre keine Familienangehörigen zu sich nachholen. Diejenigen, die keinen Anreiz verspüren sich „integrieren“ zu wollen und zu arbeiten, wird der Zugang zu sozialstaatlichen Subventionen verweigert.

Gegen diese massiven rechtsbeschränkenden Gesetze wurde zwar marginal protestiert, jedoch blieb eine ernstzunehmende gesellschaftliche Reaktion aus. Dies ist dadurch zu erklären, dass die ideologischen Apparate des Staates für eine „passende“ Atmosphäre im Land gesorgt haben, die die gesellschaftliche Echauffage auf einem rudimentären Niveau hielten. Aktuellstes Beispiel dieser diffamierenden Propagandakampagne waren die öffentlichen Massenmissbräuche in Köln. Die dortigen Ereignisse ebneten den Weg für das beschwerdelose Durchwinken der neuen, restriktiven Asylgesetzesverschärfungen. Nachdem die entsprechende Stimmung im Land erzeugt wurde, ging die Bourgeoisie lediglich mit zwei Alternativen an die Geschehnisse heran: Entweder man heißt die sexuellen Übergriffe gut oder man ist Abschiebungsbefürworter*in! Die Hintergründe der Vorfälle wurden nicht beleuchtet. Warum Geflüchtete gesellschaftlich isoliert wurden bzw. warum der Nährboden für Diebstahl und andere Straftaten durch Geflüchtete gesät wurde, blieb außerhalb der Debatte. Die Bourgeoisie hat die Geflüchtetenbewegung in die Ecke gedrängt, indem sie den Fokus auf Sanktionierung der begangenen Straftaten gelegt hat.

Während über die in Köln vorgefallenen Übergriffe und Diebstähle diskutiert wird, sind nebenbei auch andere Dinge vorgefallen. Beispielsweise wurde in den gleichen Tagen, ebenfalls in Köln, ein junges türkisches Mädchen von einem deutschen Mann erstochen. Im Berliner Lageso, wo Geflüchtete ihren Erstantrag stellen, wurde ein afghanischer Geflüchteter von Sicherheitskräften aufs übelste krankenhausreif zusammengeschlagen. Nahezu jede Frau, die flüchtet, ist auf der Fluchtroute den sexuellen Übergriffen von Schleusern, Polizisten und anderen Männern ausgesetzt. Eine unfassbare Zahl von 10.000 Flüchtlingskindern, die nach Europa gelangt sind, sind verschollen. Die Liste derartiger Ereignisse könnte ewig weiter geführt werden, ohne dass sie irgendeine Form von Präsenz mit Nachdruck in der täglichen Berichterstattung bekommen würde.

Der ständig wachsende Druck auf die Geflüchtete wird nicht nur durch neue Gesetze ausgeübt, sondern auch in Form von physischer Gewalt. Laut Statistik erfolgt an jedem dritten Tag ein gewalttätiger Übergriff auf Flüchtlingsunterkünfte. Faschist*innen haben sich nach Köln zusammengeschlossen und lassen ihre ziel-, zügel- und maßlose Gewalt an jedem Menschen mit ausländischer Ethnie aus, der ihnen über den Weg läuft. In anderen europäischen Ländern wurde zudem die Pflicht für Geflüchtete eingeführt, rote Armbänder zu tragen.

Die momentan generierte Atmosphäre gegenüber Ausländer*innen in Deutschland und anderen europäischen Staaten lässt stark an die der 1990er Jahre erinnern. Komplementär dazu werden den Geflüchteten verboten, öffentliche Plätze zu benutzen. In Rostock wird es Geflüchteten nicht gestattet, die Toilette zu benutzen, unterkunftslose Geflüchtete sind daher gezwungen ihre Notdurft draußen zu verrichten, was zunehmend für Reaktionen von Seiten der Bürger*innen sorgt und den Weg für massenhafte rassistische Säuberungen bereitet. Medial und politisch geht es immer nur um das Verhalten der Geflüchteten und warum es neuer Gesetze bedarf, aber über das hohe Maß an Gewaltpotential gegenüber Ausländer*innen wird schlichtweg geschwiegen. Es werden lediglich auffällige Taten der Geflüchteten aufgebläht und für neue Gesetzesentwürfe instrumentalisiert.
Neue Kriege und Migrationsbewegungen stehen vor der Tür

Neue Kriege und Migrationsbewegungen stehen vor der Tür

Die Zahlung der von Seiten der EU versprochenen drei Milliarden Euro an die Türkei hat begonnen, wobei die Türkei beim letzten Treffen zwischen Merkel und Davutoğlu angekündigt hat, dass dieser Betrag auf fünf Milliarden aufzustocken sei. Dass in der Türkei Flüchtlingskinder unter sklavenartigen Konditionen in Textilfabriken zur Arbeit gezwungen werden, interessiert die EU nicht im Geringsten. Unterdessen haben zwei europäische Textilfirmen zugegeben, ihre Ware mithilfe von Flüchtlingskindern in der Türkei produzieren zu lassen. Die Türkei hat dies als Lüge diffamiert, jedoch wurden die Beweise hierfür schon lange von Kameras dokumentiert.

Das kapitalistisch-imperialistische System „designt” sich, durch die Instrumentalisierung von „Terrorbekämpfungsargumenten“, den Nahen Osten gemäß eigener Kalkül und sorgt damit für ein Fortbestehen der Kriege und der bewaffneten Auseinandersetzungen in dieser Region. In einem neuen „Sykes-Picot-Abkommen” wird nicht im Sinne der regionalen Volksgruppen verhandelt, sondern auf den Interessen der Imperialist*innen beharrt. Um den Krieg und die Flüchtlingswellen zu verhindern, unterstützt der EU-Imperialismus die reaktionären Regime, plant weitere Auslandseinsätze in neuen Ländern und bietet dem türkischen Ministerpräsidenten Erdoğan, der das Land weiter in eine Krise treibt, seine Unterstützung an. Indem der Imperialismus die Probleme verschärft, will er die Dringlichkeit seiner Präsenz in dieser Region legitimieren.
Humanitäre Hilfe oder eine revolutionäre Klassenpolitik?

Humanitäre Hilfe oder eine revolutionäre Klassenpolitik?

Mit dem Argument der „Flüchtlingskrise” wird auch der europäische Kontinent einem „Design”, nach imperialistischem Muster, unterzogen. Mit Ausrufung des Ausnahmezustands in Frankreich soll erreicht werden, dass die Arbeiter*innenklasse die imperialistischen Angriffen des eigenen Landes stillschweigend hinnimmt. Ausbeutung und Kontrollsysteme werden auf verschärfter Weise fortgesetzt.

Die Geflüchteten können die Dynamik ihres ersten Widerstandes nicht fortsetzten. Die Bewegung muss sich neu sammeln. Die neu angekommen Flüchtlingsmassen sehen sich mit einer deutlich düsteren Atmosphäre konfrontiert. Nachdem die Anerkennung der Asylanträge erreicht ist, wird ihr Status als reine Arbeitskraft definiert, weshalb Menschen, die die Erfahrungen der Flüchtlingsbewegung fortsetzen und strategisch organisieren könnten, nicht von langem Bestand sind. Die Geflüchteten werden nicht ohne politische Vorarbeit auf die Straßen gehen. Dies ist eine Lehre aus den, sich über Jahre hinweg streckenden, Widerstandsbewegungen. Das Bemühen, eine Periode der dynamischen Widerstandsaktionen, gemeinsam mit den neu ankommenden Geflüchteten zu etablieren, gehört zur Agenda. In diesem Sinne werden die Widerstandserfahrungen durch die Archive, die „Movement” Zeitschrift und durch die neue erschienene monatliche „Refugee News” Zeitung, den neu ankommenden Geflüchteten und anderen Gesellschaftsschichten präsentiert. Anderseits werden die Aktionsbewegungen um große Geflüchtetencamps, wie Lageso und Tempelhofer Feld, weiter fortgesetzt.

In der aktuellen Situation sind auch die Aktionen der „humanitären Hilfe” wohl kaum mehr eine Bereicherung für diejenigen Geflüchteten, die über die Grenzen zurück abgeschoben werden. Aus diesem Grund muss die gesellschaftliche Bewegung in eine organisierte und dauerhafte Bewegung übergehen, mit der Perspektive einer antikriegerischen Antwort. Gegen die Waffenproduktion, -lieferung und die Kriegstreiberei des eigenen Staates muss sich eine ernstzunehmende Straßenbewegung formieren. Die sozialen Bewegungen in Europa mit ihren Aktionen der „humanitären Hilfe”, zur Beruhigung  des eigenen Gewissens, sind nun endgültig am Ende. Geflüchtete, die aufgrund von Grenzen und Gesetzen ums Leben kommen, die sklavenähnlichen Arbeitsbedingungen und rassistischen Übergriffen ausgesetzt sind, die zurück in Krieg und Diktaturen abgeschoben werden, kann man sich nicht mit lediglichen Kampagnen der „humanitären Hilfen” vom Hals schaffen. Zu verdeutlichen ist die Tatsache, dass die europäische Sozialbewegung dem Krieg bisher keine ernsthafte Bewegung entgegen gebracht hat. Sie trägt deshalb auch eine Verantwortung an der Ausbeutung und den Kriegen. Während die reformistische Linke in Europa Diskussionen über einen Plan B führen, steht sie der Fordernung der Öffnung der Grenzen der Staaten der Bourgeoisie distanziert gegenüber.

Dass die Flüchtlingsbewegung im Zentrum der gesellschaftlichen Diskussionen steht, bedeutet nicht, dass sie gegen ihre gesellschaftlichen Probleme in Eigenregie, ohne jedwede Unterstützung, alleine kämpfen muss. Der durch Selbstorganisierung geführte Kampf der Geflüchteten ist gleichzeitig ein Kampf um egalitäre Rechte. Des Weiteren ist es ein Kampf von Geflüchteten als entrechtetste Teil der Arbeiter*innenklasse um ein Recht auf Arbeit, der im direkten Sinne auch von den Gewerkschaften geführt werden muss. Aus diesem Grund müssen die Kämpfe in den Gewerkschaften, den Universitäten und Schulen solidarisiert und zusammengeführt werden. Der gemeinsame Kampf gegen Krieg und Abschiebung ist der einzige Weg, um dem Entreißen der Arbeitsrechte, den aufkommenden  rassistischen Straßenbewegungen und dem Export von Krieg und Krise der deutschen Regierung ein Ende zu setzten. Der am 28. April stattfindende, bundesweite Schul- und Unistreik ist daher Ausdruck einer wichtigen Haltung.

Hoch lebe der Kampf um Humanität und Vereinigung!

von Turgay Ulu und Suphi Toprak

Next Page »