facebook feed fist header movement-text refugee-movement-text twitter youtube
LMB - lager mobilisation berlin

Pressebericht: “Lager Mobilisation Network”

Lager-Mobi-Netzwerk

Foto: Unterbringung in der ehemaligen FU Turnhalle, die inzwischen dicht gemacht wurde.

Wenn ich ,Lageso’ nur höre..“

NON-CITIZENS Menschen zu ihren eigenen Konditionen helfen, ohne bevormundend oder gönnerhaft zu sein – wie geht das? Das „Lager Mobilisation Netzwerk“ macht es vor.

von SYBILLE BIERMANN

Dienstagabend in einem kleinen Vereinsbüro im Wedding . Hier trifft sich die Wedding-Gruppe des „Lager Mobilisation Netzwerk“, ein sich im Aufbau befindendes Netzwerk aus lokal arbeitenden Gruppen, die sich nach einer Antifa/-ra Vollversammlung im September zusammenfand. Während es auf der Versammlung hauptsächlich darum ging, wie man mit dem erneuten Rechtsruck in Deutschland umgeht, stellt die Lager Mobi die Arbeit mit geflüchteten Menschen selbst in den Vordergrund. „Lagers are Jails, are human Zoos“, lautet ihr Slogan: Isolation, Abhängigkeit, menschenunwürdige Unterbringung, Mangel an Information. Deshalb auch „Human Zoo“: Menschen werden auf engem Raum zusammengepfercht mit wenig Rücksicht auf Privatsphäre und individuelle Bedürfnisse, während die Träger aus der Situation Profit schlagen. Das Netzwerk spricht von einer Lagerindustrie aus Betreiber*innen, Security, Sozialarbeiter*innen und Essenslieferant*innen. Die Menschen selbst fühlen sich oftmals wie Tiere behandelt.

Wenig davon ist neu, weiß Nima (30), Mitbegründer des Netzwerkes, aus eigener Erfahrung. Nur, dass die Lager zunehmend zentral liegen und somit nicht mehr so leicht zu ignorieren sind. Er selbst kam 2000 mit seiner Familie aus dem Iran nach Deutschland und verbrachte 3 Jahre in einem Lager in Biesdorf. Zehn Jahre durchlief die Familie den Prozess hin zur deutschen Staatsbürgerschaft. Heute studiert Nima Ingenieurswissenschaften und engagiert sich in der Bewegung.

Die Arbeit des Lager Mobilisation Netzwerks bedeutet für ihn zunächst einmal, aktiv zu werden und die Leute da abzuholen, wo sie sind: in den Unterkünften, mit ihren eigenen Problemen und Prioritäten. Es gibt eine Rechtsberatung, für die auch weiterhin kundige Anwält*innen gesucht werden, Kochabende werden organisiert, Infoflyer und eine Karte mit den wichtigsten Anlauf- und Beratungsstellen im Kiez erstellt. Die Anliegen der Menschen, die in den Lagern leben bestimmen die Agenda, nicht umgekehrt. Das sei viel zu oft das Problem in Berlin, meint Nima, dass man von außen die Ziele setzt um sie dann an die Menschen heranzutragen und sie so letzten Endes instrumentalisiert. Mit all den Infoabenden und Solipartys hätte sich eine Art Unterhaltungsindustrie um das Thema Flucht und Asyl entwickelt. Eine konsumierbare Anekdote zeitgenössischer Popkultur.

Deshalb versteht das Netzwerk seine Arbeit auch nicht als politische Mobilisierung, sondern beginnt bei den „basic needs“. Bis die nicht erfüllt sind, ist schlichtweg zu wenig Raum für alles Weitere. Es fehlt an Informationszugang, Beschäftigungsmöglichkeiten, Zugang zu den Hilfsangeboten im jeweiligen Kiez: Rechtsberatung, Sprachkurse, Unterstützung im Umgang mit Ämtern, einfach mal „rauszukommen“ und Kontakte zu knüpfen. Dabei ist die Situation von Lager zu Lager unterschiedlich. Während ein junger Mann der Gruppe berichtet, dass es in seiner Unterkunft bereits Fälle von Lebensmittelvergiftung gab, findet ein anderer das Essen in seinem Lager eigentlich ganz okay. Auch das ist wichtig, dass mensch untereinander ins Gespräch kommt, einen Überblick über die verschiedenen Standards und Probleme kriegt und versteht, dass die individuellen Probleme letztendlich systematischer Natur sind.

TAZ

Gholam Hossein Madadi ist 21 und seit Oktober in Berlin. Einen Monat schlug er sich am Lageso durch bis er endlich seine Papiere zusammen hatte. „Wenn ich das Wort nur höre, kriege ich die Krätze“, erzählt er. Bei „Moabit Hilft“ hat er sich rasch als Helfer engagiert und lernte darüber einen Deutschen kennen, der ein wenig Farsi spricht. Über ihn wiederum kam er zur Lager Mobi. Erfahrung mit politischer Arbeit hat er nicht, das war ihm im Iran viel zu gefährlich. Hossein hat die meiste Zeit seines Lebens im Iran verbracht, dort allerdings bereits als Bürger zweiter Klasse mit afghanischer Staatsbürgerschaft. „Für mich ist die Lager Mobi hauptsächlich eine Gelegenheit, ein Sozialleben zu haben und etwas zu tun. Es macht mich glücklich, wenn ich einen Beitrag leisten kann“, erzählt er.

13 Jahre lang trainierte er im Iran Freistilringen, wurde aber bei Wettbewerben aufgrund seines Passes übergangen und musste Anfänger an sich vorbei ziehen sehen. Für seine Zukunft in Deutschland wünscht er sich, sich einmal in seinem Sport beweisen zu dürfen. Das Team der Lager Mobi ist dabei, Kontakt zum Deutschen Ringer-Bund aufzunehmen. Hält die Bundesregierung allerdings an der Aufhebung des Abschiebestopps für Afghan’innen fest, bedeutet dies das Ende für Hosseins Pläne; dann würde erneut der außenpolitische Status eines Landes über sein Leben entscheiden, an das er sich noch nicht einmal mehr erinnern kann.


Zentrales Netzwerktreffen: Dienstags 19 Uhr im Migrationsrat BB – Büro, Oranienstr. 34

Treffen Neukölln Gruppe: Mittwochs 16 Uhr in der Lunte, Weisestr.53

Treffen Wedding Gruppe: Sonntags 17 Ur im I-päd Büro, Exezierstr. 28

Brandenburg Gruppe: LMBB@riseup.net


geschrieben: Sybille Biermann

erschienen: “taz.tageszeitung” in Berlin

Donnerstag, 14. Januar 2016

www.taz.de

www.bewegung.taz.de

Das Lager Mobilisation Netzwerk sagt: Danke!

 

we are one


LMB - lager mobilisation berlin

berlin news / LMB - lager mobilisation berlin / refugee-struggle

Reactions to the break out of the Lager at Osloerstr. 23, #CloseTheCamp #LagerOsloer23

After the rise up of the people living in the Lager at Osloerstr. 23 two weeks ago (link), a lot of things are happening in a very short time: the company administrating the lager, BTB Bildungszentrum, and LAF (the new LAGeSo) are really afraid about the propagation of these protests, and here we share with… Read more »

soap bubbles at osloerstr lager
berlin news / Demo / LMB - lager mobilisation berlin

The break out from the Lager at Osloerstr 23 #CloseTheCamp #LagerOsloerstr23

On the 18th November, a group went to Bezirksparlaments im Rathaus Berlin-Mitte to tell their situation, as it is shortly explained below: Besuch der BVV und des Bezirksparlaments im Rathaus Berlin-Mitte Am 18. November 2016 besuchte eine Gruppe bestehend aus asylsuchenden Menschen aus dem BTB-betriebenen Lager (Notunterkunft) und der umgebenden Nachbarschaft Weddings die Bezirksverordnetenversammlung (BVV)… Read more »

putting candles
berlin news / Demo / LMB - lager mobilisation berlin / Statements

PRESSE-MITTEILUNG: Ausbruch aus der Notunterkunft

English | Castellano | العربية On Thursday 24.11.16, 10AM – 10PM at Osloerstr. 23-26 in Berlin-Weding: Die Bewohner*innen einer Notunterkunft in der Nähe der Osloerstr. (Wedding), inklusive Familien mit Kindern, werden am Donnerstag (24. November) aus der Sporthalle zum Protest ausbrechen und davor eine 12-stündige Strassen-Blockade starten. Der foldende Brief ist von den asylsuchenden Bewohner*innen… Read more »

Featured

berlin news / News

Demo 10.12. Keine Abschiebungen nach Afghanistan!تظاهرات برای ماندن افغانها در المان، دیپورت را متوقف کنید!

Afghanistan ist alles andere als sicher. Seit mehr als drei Jahrzehnten sind Menschen auf der Flucht vor Terror und Krieg. Keine Abschiebungen nach Afghanistan! Demonstration am 10.12.2016, um 12:00 Uhr, U-Bahn Turmstraße, Berlin Der nun seit fast vier Jahrzehnten andauernde Krieg in Afghanistan hat 6 Millionen Menschen weltweit in die Flucht getrieben, und 2015 mehr… Read more »

Demo / International Women's Space / News / Refugee Groups Berlin / Support/Solidarity

Tag gegen Gewalt an Frauen* Internationalistische Frauen DEMO Freitag, 25.11.2016, 16 Uhr, Turmstrasse (U9)

Organizers: Frauen * von Ezidischer FrauenRat Berlin, Frauenrat Dest Dan, International Women Space, Interkulturelle Frauenzentrum S.U.S.I, Frauen aus Rojhilat, Sozialistischer Frauenbund Berlin-SKB, Women in Exile & Friends, JXK – Studierende Frauen aus Kurdistan, FrauenRat der PYD Berlin (Rojava Frauen), Frauenrat der HDK Berlin, Lara e.V „From feminicide to selfdefence” along the motto of the current… Read more »

german wide movement / News / refugee-struggle / Support/Solidarity / Videos

Protest March Munich to Nuremberg

8th of  October 2016, Munich 33th day at Sendlinger Tor 1st day on Protest March We need your financial support for our protest march from Munich to Nürnberg – read more about it on our web page: refugeestruggle.org Spendenkonto: Account name: Refugee Struggle for Freedom BIC: GENODEM1GLS IBAN: DE 97 4306 0967 8229 1322 00… Read more »

Recent

berlin news / News / Uncategorized

Afghan Refugees and the Deport // Seminar // Selay Ghaffar

Afghan Refugees and the Deport, a talk by Selay Ghafar, spokesperson for Solidarity Party of Afghanistan (in English) Time: Sunday, 11 Dec 2016, 6:30pm Address: Admiralstraße 17, 10999 Berlin, Deutschland The new contract of Afghanistan with European countries. The self organization of Afghan Refugees to fight against deportations and the tightening of Asylum Laws Organizers:… Read more »

berlin news / LMB - lager mobilisation berlin / refugee-struggle

Reactions to the break out of the Lager at Osloerstr. 23, #CloseTheCamp #LagerOsloer23

After the rise up of the people living in the Lager at Osloerstr. 23 two weeks ago (link), a lot of things are happening in a very short time: the company administrating the lager, BTB Bildungszentrum, and LAF (the new LAGeSo) are really afraid about the propagation of these protests, and here we share with… Read more »

soap bubbles at osloerstr lager
berlin news / Demo / News / Support/Solidarity

Aufruf zur Demonstration: Keine Abschiebungen nach Afghanistan

Gestern Roma, heute Menschen aus Afghanistan, morgen wir? Yesterday Roma, today people from Afghanistan, tomorrow we? Hier Roma, aujourd’hui les gens de l’Afghanistan, demain nous? Demonstration –  Protest march – Démonstration 10.12.2016 – 11:30 – U-Bhf Turmstr (U 9), Berlin Aufruf zu Solidarität gegen Abschiebung Kommt alle, egal welcher Nationalität ihr seid, um gegen Abschiebungen… Read more »

News / refugee-struggle

Roma-Black Box Solidarity – Break Deportation Aktion in Erfurt

Break Deportation Aktion in Erfurt – „Roma-Black Box Solidarity“ Roma Solidaritäts-Veranstaltung mit Diskussion und Kulturprogramm 17.12.2016, 16.00 Uhr in Erfurt, Schillerstraße 44, Filler This is the first Solidarity Event of our campaign to stop the deportation of the Roma family Haliti / Ristic Refugee activists will speak on their experiences with deportation and social exclusion… Read more »

News / refugee-struggle / the-voice-jenna

Vorbereitungstreffen für das “Break Deportation Solidarity Aktionswochenende” Januar 2017

English / Deutsch: Solidarity Aktionswochenende” im Januar 2017 Einladung zum Vorbereitungstreffen für das “Break Deportation Solidarity Aktionswochenende” im Januar 2017 Wann? Donnerstag, 08. Dezember um 18Uhr Wo? In den Räumen des Demokratischen Jugendrings (Seidelstraße 21) Jena Für das Wochenende vom 27. bis 29. Januar 2017 planen wir – das Netzwerk Break Deportation – in Jena… Read more »

alle bleiben / berlin news / refugee-struggle / Support/Solidarity / Videos

Right to stay for Hikmet! Bleiberecht für Hikmet!

Hikmet’s is getting the answer about “Bleiberecht” from the “Petition Office” Dec. 1. if he doesn’t get it he is threatened with deportation. And the oldest of his two brothers is also being threatened with deportation. Wir alle hoffen jetzt auf ein “Bleiberecht”, die Anhörung ist am 1. Dezember. Inzwischen droht ihrem älteren Bruder dasselbe… Read more »

Alle bleiben Freiheit für Hikmet